redenhilft #68: Wer bist du?
Shownotes
Steuerberater kennen die fachlichen Herausforderungen ihres Berufs. Doch wie oft nehmen sie sich Zeit, sich selbst kennenzulernen?
In dieser Folge ist erneut Achim Kremulat – Steuerberater, Coach und Gründer des Tax Life Balance Podcasts – zu Gast. Gemeinsam mit Uli spricht er darüber, warum fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht und weshalb Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung zu mehr Zufriedenheit und besserer Beratung führen können.
Achim erzählt von seinem Weg vom Managing Partner einer Steuerkanzlei zum Coach und erklärt, wie jeder sein eigenes Tax Life gestalten kann – passend zu den eigenen Stärken, Werten und Bedürfnissen.
Außerdem geht es darum,
- warum wir uns im Laufe des Lebens oft von uns selbst entfernen,
- weshalb Spezialisierung häufig besser ist als alles können zu wollen,
- wie Authentizität Beruf und Privatleben bereichert,
- und warum kleine Impulse große Veränderungen anstoßen können.
Eine inspirierende Folge über Persönlichkeitsentwicklung, Selbstreflexion und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Gast Achim Kremulat Tax Life Tax Life Balance Podcast LinkedIn
Host: Ulrich Britting LinkedIn
Transkript anzeigen
Uli Britting: Herzlich willkommen zur neuen Episode vom ba taxter. Ich bin Uli Britting und ich habe heute Anne Geiger zu Gast. Herzlich willkommen, Anne.
Anne Geiger: Vielen Dank, Ulli.
Uli Britting: Wir kennen uns von der Zebra Investment Night vor gar nicht allzu langer Zeit. Willst du unseren Zuhörenden einmal erzählen, wer du bist und was du machst und was du in der Vergangenheit gemacht hast? So ein bisschen deine spannende berufliche Reise.
Anne Geiger: Ja, gerne. Ich versuch's kurz zu halten, einen kurzen Überblick zu schaffen. Genau, ich bin Anne Geiger, hast du schon gesagt. Ich bin seit elf Jahren in Hamburg, im Süden von Deutschland aufgewachsen, am Bodensee studiert, dann für den Master nach Hamburg gekommen und schon während des Masters in die Start-up-Welt eingetaucht, in einem Fintech, damals Figo-API. Die erste war für eine regulierte Banking-API. Lang ist es her, also auch schon über neun Jahre, dass ich da eingestiegen bin. Und dann auch erst mal dreieinhalb Jahre dort geblieben und voll in die Start-up-Welt eingetaucht, waren Venture-Backed-Start-up, was sehr stark gewachsen ist, von 30 auf 150 in der Zeit, in der ich da war. Personen in drei verschiedenen Ländern. Also so die klassische Journey einmal mitgemacht. Ich war dann noch in einem anderen Start-up, da haben wir Sachwertanlagen tokenisiert auf der Blockchain. Und dann kam der Ruf eines Fintech-Accelerators, der in Hamburg aufgebaut werden sollte, von Finanzbehörde, Handelskammer, Finanzplatz e. V. Und die haben eine Person gesucht, die diesen Accelerator betreiben möchte und kann. Und genau dafür bin ich dann raus aus der operativen Dieses Accelerator-Programm wurde nach einem halben Jahr, glaube ich, wieder gestoppt aus politischen Gründen. Aber für mich war das tatsächlich dann schon in recht jungen Jahren so der Push auf die andere Seite. Und ohne den Push hätte ich das sicher nicht so früh gemacht. Nachdem das gekillt wurde, habe ich für mich entschieden, ich bleibe auf der Investorenseite, weil ich so viel Spaß dran hatte mit den Teams. Der Accelerator war auch für sehr, sehr frühphasige Fintech-Teams in dem Fall gedacht. Und ich habe da gemerkt, wie viel Spaß ich dran habe, mit den Teams zu arbeiten und auch wie viel Spaß ich dran habe, Finanzierungsstrukturen drum herum zu strukturieren. In dem Fall war auch ein Fonds angedacht. Und genau, bin dann auf der Seite geblieben, habe angefangen mit kleinen Angel Investments, habe mich da schnell mit anderen, also mit Partners in Climb zusammengefunden, das gemeinsam mit anderen zu tun. Und alles andere, was ich heute mache, Mandate, Ausschusssitze und so weiter, fokussiert sich alles auf das Thema Start-up-Investments und das auch ganz bewusst im Climate-Tech-Bereich. Der Switch, vielleicht auch noch mal spannend, von klassischer Finanzwelt und Finanztechnologie, Innovationen.
Uli Britting: Das wäre meine nächste Frage gewesen. Wie kommst du als Fintech-Operatorin zur Green-Tech-Investorin? Was hast du da gelernt,
Anne Geiger: Mhm. Ja.
Uli Britting: was du weiter anwenden kannst? Und wie kommt man dahin vor allem?
Anne Geiger: Ja, also ich glaube, man kommt dahin durch persönlichen Drive, persönliche Überzeugung und Zweifel in meinem Fall. Und schon die Frage, die hatte ich ganz am Anfang, so während des Studiums auch schon immer. Ich habe interdisziplinär, VWL, Soziologie, habe immer schon im Studium auch sehr ganzheitlich gedacht und nicht nur so rein Finanzmarktanalysen irgendwie gefahren. Und trotzdem hat es im Zweifel die Jahre gebraucht, manche Schritte auch einfach wirklich, weil sie sich ja ergeben haben, gerade in diesen Fintech-Start-ups, aber dann irgendwann die Frage, wo kann ich denn wirklich die Wirkung erzielen, die ich am allernotwendigsten sehe? Und dann ist man schnell im Green-Tech-Climate-Bereich. Und auch für mich immer die Frage, und die treibt mich ja bis heute, wie kann ich dazu beitragen, dass wir Geld wirklich in diese Wirkungsrichtung lenken, wo es aus meiner Sicht den größten Impact hat? Und dann ist das bis heute für mich auch, ich sehe es gar nicht so als kompletten Switch von Fintech zu Climate-Tech. Ich ja auch nicht jetzt operativ im Climate-Bereich, dass ich irgendwie selbst die Anlagen zusammenschrauben könnte oder so oder da krasse Prozessinnovationen selbst treiben könnte operativ, sondern wirklich aus der Position heraus zu sagen, welche Art von Geld brauchen diese Innovationen? Wie können wir das noch stärker aktivieren? Welche Strukturen braucht es da? Und wie kann ich auch dazu beitragen, dass noch mehr Akteure im Kapitalmarkt verstehen dass das eine spannende Assetklasse ist.
Uli Britting: Ja, das ist ja sozusagen Multipurpose Investment. Einmal natürlich die Finanzanlage und das klassische Investor Game. Ich investiere in etwas, was hoffentlich erfolgreich wird und dann kriege ich irgendwann einen Return, auch einen überproportionalen oder es fehlt halt. Da muss die Quote stimmen. Andererseits ist bei Impact-Themen ja auch immer eine moralische Ambition dabei oder ein Thema, wie funktioniert es in dem Climate-Tech- oder Purpose-Tech-Bereich anders als in dem klassischen Investors-VC-Gang.
Anne Geiger: Genau, man spricht da ja gerne so von Zebras und Einhörnern und den Unterschieden. Für mich kommt es tatsächlich, also ich mache die Trennung gar nicht so sehr zwischen, dass es jetzt irgendwie eine Technologie, die eine positive Wirkung hat und deswegen ist schon klar, dass es kein klassischer Venture Case ist, dass diese Unterscheidung findet aber auch oft statt im Markt, dass man so sagt, Impact-Start-ups und Impact ist dann automatisch auch eine andere Art und Weise, Unternehmen aufzubauen. Das sehe ich gar nicht so. Ich beobachte einfach das. Also ich glaube, wir brauchen, wenn wir in C-Pre-Einhorn-Logik denken, wir brauchen beides, auch im Impact-Bereich. Und in dieser Impact-Logik ist glaube ich, die große Unterscheidung zum einen erst mal, was für ein Geschäftsmodell steckt dahinter und das ist im Impact-Bereich dann eben eigentlich immer verknüpft, ganz eng verknüpft, wie kann Geld verdient werden und wie kann auch positive Wirkung erzielt werden. Und das sorgt dann bei vielen Impact-Setups dafür, man im Zweifel gar nicht so eine Skalierungslogik im Fokus hat und auch gar nicht diese klassische Skalierung für sich als Ziel hat, wie es in anderen Start-up-Bereichen häufiger der Fall ist. Und dann hat man diese Unterscheidung. Und dann würde ich auch immer sagen, wenn das der Fall ist, auf keinen Fall den VC-Weg anfangen zu gehen, sondern dann wirklich gucken, was ist die passende Finanzierungsform, welche Wachstumslogik steckt hinter dieser Impact-Driven-Idee und was für eine Art von Finanzierung, was für eine Art von Geld und Investoren-Erwartungen auch passt dann dazu. Und das ist, ich, dann oft der Knackpunkt, es einfach grundsätzliche Unterschiede gibt, wo andere Entscheidungen getroffen werden müssen, wo aber auch ganz viel dann schon früh schiefläuft.
Uli Britting: Ja, hast du Tipps sowohl für die Impact-Start-ups, aber auch am Ende darüber hinaus? Ich bin ja mit vielen auch stark skalierenden Unternehmerinnen unterwegs. Und viele, die ein bestimmtes Level erreicht haben, sagen, das ächste Mal doch lieber gebootstrapped oder ohne VC oder PI, weil das einfach anstrengend ist, man so Dinge tun muss, von denen man nicht überzeugt ist und unter einem immensen Druck steht. Deswegen Skalierung second, Gesundheit first. Und was sind deine Tipps für einen guten Weg?
Anne Geiger: Ich glaube, der wichtigste Tipp aus wirklich Beobachtung und Zusammenarbeit mit ganz vielen Teams ist die radikale Ehrlichkeit am Anfang und in diesem Entscheidungsprozess, was für eine Art von Unternehmen will man aufbauen. Und dann ist das, was ich eben gesagt habe, dem, für eine Art von Wachstum gibt es Geschäftsmodell her, ist nur der eine Punkt. Und der andere Punkt ist das, was du gerade so ein bisschen angedeutet hast mit Was bin ich denn für eine Person? Wie viel Selbstbestimmung will ich denn haben über eine wie lange Zeit in diesem Unternehmensaufbau? Und da beobachte ich eben auch ganz viele, die sagen, gerade wenn man eben vielleicht nicht mehr Anfang 20 ist und irgendwie vorhat, jetzt in 80-Stunden-Woche da mit Full-Focus irgendwie fünf Jahre seine Gesundheit hinten anzustellen und alles, es sonst vielleicht noch so Leben gibt sondern man im Zweifel auch schon Familie hat oder irgendwie eben nicht mehr ganz so jung ist. Dadurch vielleicht beobachte ich oft die, die Mitte 30 oder später auch gründen, haben oft nicht mehr so diesen unbändigen Drang, da jetzt ganz schnell was ganz Großes draus zu machen, weil das dann irgendwie ihr Zielbild ist, sondern da geht es dann oft viel mehr drum, wirklich langfristig selbstbestimmt Entscheidungen treffen zu können für das Unternehmen und sich auch langfristig irgendwie damit zu identifizieren und nicht auf einen schnellen Exit hinzuarbeiten. Und ich glaube, diese ganz bewusste Entscheidung findet oft nicht statt, auch getrieben aus der Annahme, dass man die Entscheidung gar nicht so frei treffen kann, weil man natürlich am Anfang von so einer Gründung und im Unternehmensaufbau steckend ständig irgendwie tausend Themen hat und sich da, glaube ich, automatisch oft schon ganz fremdgesteuert fühlt. Und dann dieses Finanzierungsthema für ganz viele, mit denen ich arbeite, auch nur noch so eine Last ist. Und dann schnell springt man zu dem Punkt, wo kriege ich Geld her, wo finde ich jetzt InvestorInnen? Man aber gar nicht bewusst strategisch plant, welche Art von Geld passt zu der Art von Unternehmen, die ich aufbauen möchte.
Uli Britting: Ja, das kann ich in gewisser Weise sogar aus meiner eigenen Reise bestätigen. In dem Moment, wo Geld knapp ist und gebraucht wird und es ums Überleben geht, stellt man sich die Frage nicht. Oder nur sehr, sekundär, sondern sucht einfach nach einer Lösung. Und gerade in einer Start-up-Welt, die ja sehr intensiv und sehr enthusiastisch ist am Anfang, Dudes, Umgebung, alles, Chaka, wir gemeinsam wird da auch viel zugedeckt und gemeinsame Werte unterstellt, obwohl die gar nicht da sind. Und man ist sich dessen, wie du auch sagtest, ja am Anfang gar nicht bewusst, kann ich auch wieder bestätigen, wir haben zwar wertebasiert gegründet, das aber auch eine Weile gebraucht, bis wir das denn mal formuliert haben und intensiver daran festgehalten haben. Und da gibt es auch viel Bereinigung, weil eben auch Leute dazukommen, die mitmachen, egal ob als Partner, Co-Founder, Investor oder Mitarbeitende, die ... Ich, das hört sich gut an, aber nach einem Jahr festzustellen, boah, ist das so anstrengend, wenn ich es wirklich durchhalten muss. Ja, spannend.
Anne Geiger: Und das noch zu ergänzen, ich glaube, es ist auch so wichtig, weil es da auch eine Verantwortung hat, wieder fürs ganze Ökosystem und auch für dieses Ziel, was ich also treibe, dass wir es schaffen, mehr Kapital in Start-ups zu aktivieren und Venture Capital als Asset-Klasse in Europa stärker zu machen. Und ich glaube eben, Die Gefahr ist, wenn man sich die falsche Art von InvestorInnen in sein Unternehmen holt, dann führt es, beobachte ich, gefühlt jede Woche, relativ schnell zu einem Clash und entweder das Start-up geht sofort kaputt oder es wird eine sehr unangenehme Partnerschaft über Jahre hinweg, bei der keine von beiden Seiten glücklich ist. Und das sorgt natürlich dafür, dass diese Investoren und Investoren, die diese Erfahrung machen, dann im Zweifel sagen, Venture Capital ist nichts für mich, passt nicht, da habe ich keine Rendite, weil man mit Erwartungen reingegangen ist, die irgendwie falsch oder nicht richtig transparent abgestimmt wurden. Und sie ziehen sich auch nicht einen Wert dann daraus, dass man eine tolle Zusammenarbeit hat, die man ja haben kann, woraus auch wieder ganz viel Wert entstehen kann, weil man die Innovation im Zweifel in andere Unternehmen tragen kann, indem man aktiv ist und so weiter. Und das finde ich so schade, wenn das dann dazu führt, also wenn dieser Mismatch dazu führt, dass die ganze Asset-Klasse eigentlich darunter leidet und damit alle Start-ups, die auch in Zukunft an den Start gehen wollen.
Uli Britting: Ja immer alles von mir die unglaubliche Rendite in einem Unternehmen, was was Gutes tut, sodass die moralische Ambition befriedigt ist. Idealerweise versteht man sich gut. Kontroverse Diskussionen ist erlaubt, aber Werte-Clash eher nicht. Und deswegen ist die Enttäuschung immer sehr, sehr nah dran. Als ich mich so mit dir beschäftigt habe, weil wir haben uns ja nur kurz kennengelernt habe ich noch einen spannenden Job von dir entdeckt und zwar Crowd Governance by Tomorrow. Da bist du gewählt worden als Vertreterin der Crowd-Investoren. Kannst du darüber noch erzählen, was ist das überhaupt und was ist deine Rolle dabei und warum hast du das?
Anne Geiger: Ja, total gerne. Das ist so mein politisches Amt, sag ich immer gerne, weil es so eine Repräsentanzrolle ist. Genau, Tomorrow kennen wahrscheinlich hoffentlich viele Hörerinnen des Podcasts, ist eine Banking-App aus Hamburg. Eine nachhaltige Banking-App, die eben auch genau versucht, Geld in die Richtung zu lenken, in denen es eine positive Wirkung hat. Und Tomorrow hat sich schon 2021 dazu entschieden, Crowd-Investing anzubieten. Das heißt, versus VC oder was wir eben auch ja viel besprochen haben. Man kann ja noch ganz tief in verschiedenste Finanzierungsformen reingehen. Aber ein Weg für Start-ups ist ja eben oft auch einfach Crowd-Investing. Tomorrows Geschäftsmodell bietet sich sehr für Crowd-Investing an, weil man natürlich eine große Kundinnenschaft hat, die schon sehr nah dran ist und emotionalisiert von dem Thema. Und dann gibt es da auch eine große Überschneidung, dass auch diese überzeugten KundInnen dann in Tomorrow investiert haben. Seit 2021 über 16 Millionen Euro von über 10.000 Tomorrow-Crowd-InvestorInnen. Und Tomorrow hat dann, wir glauben bis heute als erstes Start-up in Deutschland, weil wir noch nichts anderes gehört haben. Proof us if we're wrong, sich entschieden, weil eben so viele Personen so viel Geld in Tomorrow investiert haben, zu sagen, da muss es eine Vertretung im Advisory Board geben mit Stimmrecht. Und dann eben da, dass auf Augenhöhe auch im Advisory Board die Crowd vertreten ist. Und dann gab es eine Wahl. Alle Crowdies durften abstimmen. Und ich wurde als Repräsentantin gewählt. 23, erstmal für zwei Jahre, dann noch mal letztes Jahr für weitere zwei Jahre und genau, versuche unsere Interessen so gut wie möglich dort in die Diskussion einfließen zu lassen und zu vertreten.
Uli Britting: Wie bist du auf diese Wahlliste gekommen? Hast du dich selber vorgeschlagen? Haben dich andere vorgeschlagen? Wie kommt man da zu den Interessen von so vielen Crowd-Investoren?
Anne Geiger: Ja, ich habe mich selber gemeldet. Ich bin selber eben Crowd-Investorin bei Tomorrow. Das war die Voraussetzung. Und dann auch da wieder gab es einfach schon die Nähe zu dem Unternehmen Tomorrow. Habe in den ganz frühen Tagen waren die Gründer von Tomorrow schon immer wieder mal im Figo Office auch zu Besuch. Also es gab diese frühen Fintech-Kreise und Bekanntschaften in Hamburg. Deswegen habe ich T'more von Anfang an begleitet, war dann investiert, oder bin nach wie vor investiert, als Crowdy. Als dieser Aufruf kam, sich zu melden, habe ich mich angesprochen gefühlt, weil ich mich in der Szene auch einfach gut auskenne und ich die Rolle total spannend fand, da die Interessen vertreten zu dürfen. Und dann hat genau die Gründer, die drei Gründer haben dann aus allen, die sich gemeldet haben, drei Personen, ausgewählt und wir drei standen dann zur Wahl. Das war der Prozess.
Uli Britting: Ja, und das natürlich ein großer Fit, wenn du die Fintech-Szene kennst, sogar die Menschen da kennst, selber investiert bist und auch mit den Partners in Climb noch einen Purpose-Ansatz hast. Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl und viel Spaß bei dem Job. Und ich bin gerade ganz motiviert, auch irgendwie mehr zu investieren, in welchen Targets und in welchem Umfeld auch immer. Aber ich bin ja eigentlich, ich habe ja so ein Steuerberatungsunternehmen wie VATEX und hier hören auch ein paar Steuerberaterinnen zu. Du jetzt so als Investorin mit all deinen Rollen. Was erlebst du so, wenn du auf Steuerberaterinnen triffst und was würdest du dir wünschen?
Anne Geiger: Ja, also man erlebt natürlich die wildesten Dinge mit Steuerberaterinnen. Ich bin total froh mit meinem Steuerberater. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben und beraten. Und man hat natürlich immer wieder auch so im Zusammenhang mit den Unternehmen immer wieder mal mit anderen SteuerberaterInnen zu tun oder auch vor allem die Start-ups dann wieder und die KundInnen lassen sich da immer im besten Fall gut beraten. Also ich finde, das sage ich jetzt nicht nur, weil ich mit einem Steuerberater spreche. Ich glaube, das kann schon sehr viel Leid verhindern, wenn man da gut beraten wird und viel Komplexität nehmen. Man hört dann natürlich oft von den Fällen, wo gerade GründerInnen im Zweifel irgendwie Sachen vielleicht hätten anders machen können rückblickend, beispielsweise irgendwie dann persönlich die Anteile halten und nicht über eine Holding-Struktur und so weiter. Oder auch gerade in Angel-Netzwerken wird viel über solche Aspekte gesprochen. Wie kann ich meine Angel Investments am besten steuerlich dann halten und so weiter. Es gibt einfach, glaube ich, krasse Komplexität und auch so eine stetige Veränderung in der Steuergesetzgebung. Das ist schon sehr wichtig, sich gut beraten zu fühlen und gut aufgehoben zu sein. Was ich noch einen total spannenden Aspekt finde, ich weiß auch nicht, ob euch das öfter begegnet, aber ich habe neulich einen Podcast gehört, wo der Ecosia-Gründer darüber gesprochen hat, dass er die Steuern, die er mit seinem Unternehmen zahlt, auch als Impact begreift, als gesellschaftliche positive Wirkung. Und das fand ich total schön, dass man das auch so denkt. Ich glaube, dann, dann kann man nämlich Impact auch schon wieder ganz anders vielleicht definieren und auch Unternehmen, die in ihrem Unternehmenszweck das nicht so ganz oben priorisieren. Wenn die aber viele Steuern zahlen, dann ist das auch ein gesellschaftlicher Mehrwert und eine Wirkung. Deswegen, und so versuche ich es auch für mich persönlich zu sehen. Dann haben Steuern da auch noch mal so einen Impact-Aspekt, wenn man das als Unternehmen für sich so definiert. Das fand ich schön.
Uli Britting: Das ist eine schöne Geschichte. Wir sind ja wertegetrieben hier. Ich habe auch lange über den Purpose der Steuerberatung nachgedacht. Und es geht schon sehr stark in die Richtung. Wofür sind Steuern eigentlich da? Steuern sind dafür, das Gemeinwesen zu finanzieren.
Uli Britting: Infrastruktur, Pflege, Bildung, Sicherheit, so im Groben. Steuerberatung sorgt dafür, dass jeder seinen fairen Anteil an diesen Kosten trägt, und zwar unter einem Tragfähigkeitskonzept. Deswegen setzt man Steuergesetze. Nur sind die Steuergesetze nicht wirklich alle Purpose-getrieben, sondern eher lobbygetrieben. Viele Kolleginnen sehen die Steueroptimierung die nicht in den Fairness-Gedanken geht, sondern eher in eine Minimierung als Zweck ihrer Tätigkeit an. Und das struggelt das Ganze ein bisschen. Aber ich sage auch, lieber Gewinne machen und Steuern zahlen müssen als Verluste und keine Steuern. Und was natürlich schwierig ist, ist, wenn man unnötig Steuern zahlt durch schlechte Entscheidungen oder Beratungen vorher. Wobei uns auch ganz viele Gründerinnen, die gerade das Geld für eine UG zusammenkriegen, fragen, sollen wir nicht eine Holding gründen? Alle sagen, wir müssen eine Holding gründen. Ja, nein, vielleicht. Die ist total gut, wenn man einen großen Exit hat und der Exit dazu führt, dass man deutlich mehr Geld kriegt, als man kurzfristig braucht. Wenn man jung ist und zeitnah eine Familie gründet und ein Haus kauft oder brauchen will oder eine Wohnung, dann sind es schon ein paar Hunderttausend Euro, die man in einer Ausschüttung oder in einem Exit kriegen muss. Bis sich die ganze Compliance der Holding lohnt. Und deswegen ist es am Anfang eine Wette, die kostet 1000 Euro im Jahr oder so. Mal 800, mal 2000, je nachdem, wo man ist. Und wenn man zehn Jahre später 300.000 Euro kriegt und gerade den Hausbau plant, dann hat die Holding nichts gebracht außer Kosten. Wenn man die drei Millionen kriegt, schon ein bisschen was. Und wenn man die nutzt, solche Investments zu machen, auch. Aber leider ist die Frage nicht immer so einfach zu beantworten. Aber vielen Dank für den Impuls zu dem Ecosia-Gründer, wie er seine Steuerzahlungen sieht. Jetzt habe ich ja auch endlich mal Impact und Steuerberatung zusammengebracht in einem Podcast. Das freut mich besonders. Ich habe aber noch eine Abschlussfrage. Wenn du jetzt wie bei den Saber Knights auf so einem Pitch-Event, da acht tolle Start-ups hast, die pitchen und die sich vorstellen, woran erkennst du und auf welcher Basis entscheidest du, wo du investieren möchtest?
Anne Geiger: Ja, die Frage bekommt man ganz oft gestellt und ich glaube, fast alle Start-up-Investoren sagen Team, Team, Team. Und das ist wirklich, also auch so wie wir bei Partners in Climb Entscheidungen treffen, der erste Schritt, der irgendwie so ein Checkmark braucht. Und das geht auch wieder zurück auf das, wo ich vorher darüber gesprochen habe, dass es ja irgendwie eine Partnerschaft auf unbestimmte eher sehr langfristige Zeit ist, die man da eingeht mit den InvestorInnen. Und es muss einfach persönlich passen. Sonst profitiert keine Seite. Also sonst kann man die Wirkung irgendwie von Investorenseite nicht so reinbringen, wie man das möchte. Und die Start-ups haben auch keine Freude dran, kommen im Zweifel nicht so schnell voran. Wenn da Leute sitzen, haben sie ständig blöde Nachfangsstellen oder Steine weglegen. Also Team ist schon so der Kernpunkt. Da geht es nicht nur um persönlichen Fit, da geht es auch darum, man, also wir jetzt bei Partners in Climb auf Sharpness achten, auf Coachability achten. Also wirklich so ja Team-Eigenschaften auch neben so einem persönlichen guten Gefühl, dass man, glaube ich, sinnvollerweise hat füreinander. Und genau, ist so der erste Punkt. Ich meine, Partners in Climb haben wir eine Investment-These, die wir auch jährlich immer mal wieder ein bisschen reframeen. Das heißt, wir haben Fokus auf bestimmte Themen innerhalb des Climate-Tech-Space. Die müssten dann auch erfüllt sein, sonst machen wir es nicht. Das heißt, das Produkt muss dann irgendwie bei uns in diese Felder passen, dass wir es spannend finden. Wir machen da auch immer wieder Ausnahmen und ich glaube, so geht es auch ganz vielen Investoren, dass man irgendwie eine These hat und dann gibt es aber auch die Themen, die nicht ganz so reinpassen und trotzdem ist man so überzeugt, dass man es macht. Und dann ist es schon auch immer wieder ein Timing-Thema und ich glaube auch, das ist unvermeidbar. Das Thema muss in die Zeit, in den Markt passen, sonst wird es nicht klappen und das haben wir auch alle schon zu Genüge beobachtet mit den Marktzyklen. Also da gibt es einfach auch Sachen, die zu früh oder zu spät sind. Und dann kann es im Zweifel daran auch scheitern.
Uli Britting: Das ist so. Jede Idee, so gut sie ist, ist zu früh, rechtzeitig oder zu spät. Und dann kommt der Zufall dazu und der Bauch. Aber ich kann das mit den Menschen auch von uns aus bestätigen, wir legen da auch sehr viel Wert drauf. Wir machen auch einen Persönlichkeitstest. Und wenn jemand den nicht machen will, ist das für uns das erste Das erste Zeichen dafür ist die Coachability von demjenigen vielleicht doch nicht so ist, weil er sich nicht mit sich selber auseinandersetzen will. Aber am Ende ist dann trotzdem viel Bauch dabei.
Anne Geiger: Ja, das stimmt. Und Spanda, Zusatz noch zu deinem Punkt mit den Personality-Tests. Das wird immer üblicher, dass Start-ups tatsächlich das auch als Teil vom Datenraum ablegen übers Team. Das ist da jede Person im Team. Da gibt es ja so viele Testansätze. Aber dass man da wirklich Ergebnisse auch ablegt, zu zeigen, wie komplementär man aufgestellt ist, wie unterschiedlich die Persönlichkeitsstrukturen sind. Also ...Ich glaube, ist für immer mehr Investoren auch wirklich ein relevanter Punkt, man checken will.
Uli Britting: Aus meiner Sicht ist ganz wichtig, sich die Ergebnisse erst anzugucken, wenn man die Menschen das erst mal erlebt hat, weil die natürlich nichts aussagen. Und wenn man sich getroffen hat, dann kann man verifizieren, taucht da noch eine Facette auf, die ich nicht gesehen habe und die ich vielleicht nicht mag. Aber ja, spannendes Thema. Ach, lieber Anne, vielen Dank für diese spannenden 30 Minuten und die ganzen Insights in deinen Blick auf Investments, Impact, Climate und natürlich auch die Steuerberatung. Vielen Dank.
Anne Geiger: Danke für die Einladung.
Neuer Kommentar