redenhilft #66: Mehr Mensch. Weniger Routine.
Shownotes
In dieser Episode von ba taxter spricht Ulrich Britting mit Daniel Terwersche, Gründer der newgen AG, über die Zukunft der Steuerberatung – und warum sie trotz aller technologischen Entwicklungen vor allem menschlicher wird. Anlass des Gesprächs ist Daniels Keynote auf dem diesjährigen TAXtival, die viele Denkanstöße für die Branche geliefert hat.
Daniel ist überzeugt: Routinetätigkeiten werden zunehmend automatisiert. Das eröffnet Steuerberaterinnen und Steuerberatern die Chance, sich wieder auf das zu konzentrieren, was Mandanten wirklich schätzen: persönliche Gespräche, unternehmerisches Sparring und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Statt reine Zahlenverwalter zu sein, können sie zu echten Begleitern ihrer Mandanten werden.
Im Gespräch geht es um das sogenannte Beziehungskonto, die Kraft persönlicher Gespräche und warum ein Anruf oft mehr bewirkt als die nächste digitale Plattform. Daniel erklärt, weshalb Vertrauen langfristig der größte Wettbewerbsvorteil der Steuerberatung ist und warum echte Nähe zu Mandanten auch in einer zunehmend digitalen Welt unverzichtbar bleibt.
Außerdem greifen Ulrich und Daniel zentrale Gedanken aus dem TAXtival auf: Warum positive Erlebnisse Veränderung erst möglich machen, weshalb kleine Challenges häufig mehr bewirken als große Transformationsprogramme und warum es sich lohnt, den Blick auf die Mandanten zu richten, mit denen die Zusammenarbeit besonders gut funktioniert.
Eine inspirierende Episode über Veränderung, Vertrauen und die Zukunft der Steuerberatung. Hört rein und fragt Euch danach: Wie viel Raum schafft Ihr heute schon für echte Gespräche mit Euren Mandanten?
Gast Daniel Terwersche newgen AG LinkedIn newgen TAXtival
Host: Ulrich Britting LinkedIn
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00:00:00: Herzlich willkommen zur neuen Episode von ba taxter. Ich bin Ulrich Britting und ich habe zum zweiten Mal Daniel Terwersche bei mir zu Gast. Herzlich willkommen, Daniel.
00:00:12: Danke, Uli, dass ich heute hier sein darf.
00:00:15: Du bist ja bekannt wie ein bunter Hund. Trotzdem freue ich mich, wenn du mir zwei, drei Sätze dazu erzählst, wer du bist und was du machst. Das, falls dich jemand nicht kennen sollte, einen guten Einstieg hat.
00:00:29: Okay, ja, mein Name ist Daniel Tewersche, Baujahr 80, Familienvater, drei Kinder und Hund und bin der Gründer und Vorstandsvorsitzende – das hört sich so hochtragend an – der newgen AG, einem Unternehmen mit 35 Mitarbeitenden. Unser Fokus liegt darauf, Steuerkanzleien dazu zu befähigen, unternehmerisch ihre Kanzlei zu führen und den Wandel und die Zukunft so zu gestalten, dass sie auch nachts gut schlafen können, um es mal so kurz zu sagen. Zu mir persönlich sonst noch: Ich habe mein Leben lang in der Softwarewelt gearbeitet, schon in meiner Ausbildung mit 16 Jahren. Mein ehemaliger Chef und Förderer hat immer gesagt: „Daniel, du hast eine Gabe. Du kannst komplexe Sachverhalte und schwierige Themen so positiv und einfach verpacken, dass sie jeder gerne annehmen möchte.“ Und das Mantra nehme ich mir seit irgendwie über 20 Jahren mit. Und ich glaube, das zeichnet mich auch aus, dass ich insgesamt immer positiv und einfache Sprache verwende, den Leuten Spaß an der Veränderung mitzugeben.
00:01:41: Ja, und ich kann bestätigen, das klappt ganz gut. Wir kennen uns, glaube ich, sieben oder acht Jahre. Als du angefangen hattest mit der Facebook-Gruppe für Steuerberater, hatten wir, glaube ich, mal telefoniert, haben dann festgestellt, dass wir viele Dinge ähnlich sehen. Und dann war ich auch beim ersten TAXtival oder dem zweiten, ich weiß es nicht mehr so genau, eine großartige Veranstaltung für Steuerberater, um sich inspirieren zu lassen. Das letzte TAXtival liegt gar nicht so lange zurück. Und da hast du mal wieder eine großartige Keynote gehalten über den aktuellen Stand in der Branche und über das, was kommt. Kannst du darüber ein bisschen was erzählen?
00:02:24: Ja, vielen Dank. Ja, ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, was möchte ich dieses Jahr erzählen? Und ich habe mir – ich kann ja jetzt ein bisschen Insights sagen, nicht nur, was ich da erzählt habe, sondern auch, warum ich es erzählt habe. Und mir ist halt aufgefallen, dass im Moment die Branche einfach absolut überhitzt ist. Das heißt, alle springen rum wie ein Flummi und sagen, wir müssen jetzt KI und müssen uns wandeln und so. Also manchmal denke ich, die Branche ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und will jetzt alles aufholen, was in den letzten Jahren nicht so schnell in der Veränderung passiert ist. Und dabei habe ich aufgezeigt, inwieweit man mit KI heutzutage schon Themen behandeln kann. Insbesondere gibt es da so einen Index, wie viel die KI-Lösungen, also die LLM-Modelle, mittlerweile von Jahr zu Jahr dazulernen. Und mittlerweile kann man dazu sagen, dass ungefähr das Niveau eines durchschnittlichen Mitarbeiters in der Steuerkanzlei auch durch KI vom Intellekt und vom Wissen und von den zusammenhängenden Fragen gestellt wird. Es gibt sogenannte Gaia-Tests. Die gehen so in die Form, dass man sagt: Bitte hole dir aus der Tabelle folgende Informationen, recherchiere das, was die wichtigsten Dinge und Anomalien sind, schreibe eine neue Datei, mache alles, was im normalen Fall funktioniert, in Grün, das, was vielleicht warnend ist, in Rot. Solche Tests wurden ganz viel mit Menschen gemacht. Und auch mit der KI. Und man hat festgestellt, dass mittlerweile 92 Prozent der Fälle von Menschen gelöst werden. Und mittlerweile ist die KI auch schon so weit, auch die 90 Prozent zu lösen. Also sie überholt uns gerade. Das ist so das Thema, wo wir gerade stehen. Und das könnte ja voll Angst machen. Und das könnte ja auch sagen, wie heißt das, dass der Mensch auf einmal ersetzbar ist? Und das wollte ich halt zeigen, dass es endlich eine Chance ist. Eine Chance, von diesen ganzen Vorbehaltsaufgaben, von diesem immer wieder Buchen, Unterlagen sortieren, Dinge von der einen Zeile in die andere Zeile zu setzen, das irgendwie woanders hinzuschicken, dass wir endlich davon loskommen und aus diesen dunklen kleinen Büroräumen raus, hin wieder in die strahlende Luft, dann mit den Menschen in Kontakt zu gehen, damit wirklich mal zu fragen: Wie geht es dir eigentlich?
00:04:49: Und was hilft dir, was würde dir jetzt gerade helfen? Und ich glaube, diesen Konflikt, den wir heutzutage häufig haben, dass wir durch die Technologisierung immer mehr zu Robotern werden und immer mehr alles durchgestylt wird, da wollte ich gerne mal so einen Akzent setzen. Ich glaube, dass es eine Chance ist, wo wir sagen, wir können mit KI alles dieses – in Anführungszeichen – Langweilige, was immer wiederkehrend ist, automatisieren und durchführen lassen, um dann wirklich unsere menschlichen Kernkompetenzen wieder mehr zu schärfen, uns das bewusster zu machen und das dann halt auch mit unseren Mandanten oder auch mit unseren Kolleginnen und Kollegen wieder mehr zu teilen.
00:05:31: Das heißt, du sagst, die KI ist gar kein Threat, sondern keine Bedrohung für uns und nimmt uns nicht unsere geliebten Vorbehaltsaufgaben weg.
00:05:41: Doch, das schon. In vielerlei Hinsicht.
00:05:44: Was soll der Steuerberater an sich? Was sollen wir dann noch?
00:05:50: Ja, da gibt es verschiedenste Dinge. Das liegt natürlich an der DNA einer Kanzlei. Bei manchen Kanzleien höre ich immer: Wenn ich dann nachher durch die KI 50 Prozent einspare, kann ich ja doppelt so viele Mandanten nehmen. Das ist eine Möglichkeit, wenn auch nicht meine Wahl. Die andere Möglichkeit ist zu sagen: Wenn ich jetzt 50 Prozent weniger Arbeit habe, die gleichen Outputs eins zu eins für einen Mandanten zu erstellen, dann habe ich 50 Prozent mehr Zeit, sowohl meine Kanzlei weiterzuentwickeln als auch die Mandanten weiterzuentwickeln. Und da wird es auf einmal interessant, weil ich gerne sage, wir sind in einem Verdrängungswettbewerb. Nicht unter den Steuerberatern selber, aber dadurch, dass die KI immer mehr Möglichkeiten schafft, Informationen fast in Echtzeit zur Verfügung zu stellen und auch Auswertungen zur Verfügung zu stellen, wird sich folgende Situation ändern. Das ist so meine Bildsprache, die ich häufig sage: Unternehmer eines Mittelstandsunternehmens sitzen normalerweise am Tisch mit ungefähr sechs Beratern. Das ist der Bankberater, das ist der, der Versicherungen macht. Dann gibt es manchmal noch den Vermögensberater. Das könnte auch sein, dass das der ist mit den Finanzen oder mit den Versicherungen oder der Banker. Aber manchmal sitzt er auch noch mit am Tisch. Dann gibt es verschiedene Unternehmensberater. Und dann gibt es noch den Steuerberater. Und von der eigentlichen Vertrauensstellung zum Mandanten hin hat meiner Meinung nach der Steuerberater immer noch die Pole Position von all diesen Beratern. Er nutzt sie nur so selten, weil er häufig nur in seinem steuerlichen Bereich bleibt und gerne dann sagt: „Nein, da kenne ich mich nicht aus, geh bitte woanders hin. Ich darf auch keinen so richtig empfehlen. Ich kenne zwar einige, aber ich mache das Thema Steuern und wenn es jetzt um Finanzen geht, hast du ja bestimmt irgendeinen Banker, der das machen kann“, so ungefähr. Und ich glaube daran, dass auf Dauer der Steuerberater ein vollumfänglicher Unternehmensberater werden sollte, der auch die steuerlichen Themen mit drauf hat, aber viel weiter denkt und viel weiter auch teilweise die Unternehmen steuert oder wenigstens als Wingman zur Verfügung steht, um den Mandanten einen echten Mehrwert zu geben. Denn egal, wie viele Informationen ich auch habe als Unternehmer. Richtig wichtige Entscheidungen möchte ich mit einem Menschen noch durchsprechen, der mich versteht, der meine Situation kennt und der vielleicht auch noch mal die ein oder zwei Leichen im Keller kennt von mir und dann vielleicht nicht das offensichtlich Richtige macht, sondern das, was der Lebenswirklichkeit am nächsten kommt.
00:08:29: Das ist wirklich so, dass die Menschen mit Menschen sprechen wollen, generationsübergreifend.
00:08:35: Ich mache mal eine Analogie. Ich würde gerne, wenn ich jetzt zum Beispiel eine Krebserkrankung, eine mögliche Erkrankung meiner Lunge habe, erwarten, dass mittlerweile durch KI die Bilder auch analysiert werden und dass diese Bilder auch alle gescannt werden. Ich möchte aber trotzdem einen Menschen haben, der mir dann das Ergebnis mitteilt und dann auch sagt, was das für mich bedeutet. Bei einem Steuerberater gehe ich davon aus, dass es ähnlich ist. Das heißt, zwar ist es nicht so lebenswichtig wie jetzt meine Lunge, aber ich bin davon überzeugt, dass, wenn ich einen guten Steuerberater habe und den Menschen dahinter auch verstehe und kenne und dann auch die Zusammenhänge, die nicht nur dieses eine Ergebnis zum Beispiel bedeuten, dass ich mir das noch von ihm erklären lasse.
00:09:26: Vom Steuerberater.
00:09:28: Vom Steuerberater, genau. Also es mag sein, wenn ich mir jetzt meinen 13-jährigen ältesten Sohn angucke, der, glaube ich, mit Gemini und ChatGPT verheiratet ist und der nicht mal mehr irgendwas in sein Handy reintippt, sondern nur noch mit dem Ding spricht, kann es sein, dass irgendwann eine Generation heranwächst, die das anders sieht, weil der manchmal Gemini mehr vertraut als seinem Vater, wenn es um Informationen geht. Ich weiß nicht.
00:09:53: Das hat andere Gründe, Daniel. Das ist in dem Alter grundsätzlich so.
00:09:58: Ja, aber vielleicht kennt der eine oder andere das auch beim Mandanten, dass die dann eher auf ChatGPT vertrauen als auf die Auskunft des Steuerberaters. Das heißt, auch da wandelt sich das mit Sicherheit. Aber ich gehe davon aus, dass in den nächsten 20, 30, 40 Jahren immer noch der Mensch als letzte Instanz, Entscheidungs- und wenn es einfach als Pairing ist, noch eine tragende Rolle führen wird. Und viel weiter möchte ich ehrlich gesagt gar nicht denken.
00:10:25: Ja, dann wird es also für dich und mich, du bist ja ein paar Jahre jünger als ich, aber in 30, 40 Jahren ist die Relevanz der Veränderung für uns selber auch zunehmend übersichtlich. Aber da bin ich jetzt gar nicht hin. Ich teile viel von dem, was du gesagt hast. Ich und wir glauben auch, dass der menschliche Kontakt ein Unterschied ist. Ich bin auch der Auffassung, dass wir als Steuerberater viel mehr Guide sein sollten, in allem, was mit Accounting, Steuern und direkt damit zusammenhängenden Dingen zu tun hat. Ich bin mir noch nicht so sicher, ob der Steuerberater im aktuellen Status der bessere Unternehmer ist als der oder die Mandantin. Weil das in vielem, was wir in der Vergangenheit getan haben, mit der Bewältigung alter Zahlen und der hohen Präzision, mit der wir gearbeitet haben, doch ein anderes Leben ist als im Unternehmen. Deswegen glaube ich auch nicht so an den Interim CFO als mögliche Aufgabe für den Steuerberater. Weil das viel weiter über Steuern hinausgeht, weil ich viel mehr mit Menschen und Führung zu tun habe. Und ich glaube, das kann sich dahin entwickeln. Aber das ist ein langer Weg.
00:11:39: Mhm.
00:11:53: Den Head of Accounting sehe ich eher als den CFO. Aber das ist so ein bisschen …
00:12:00: Ja, ich glaube, das ist, also wir sprechen so in so einer Gießkannenoberfläche, also so alles drüber. Ich glaube, man muss da differenziert hinschauen. Es wird Steuerberater geben, die das können, und es gibt Mandanten, für die ist es sinnvoll. Ich mache mal das Beispiel: Wir arbeiten sehr viel mit dem Motivkompass. Das heißt, wenn ich mir jetzt so gelbe Menschen angucke, die so im Gelbfeld unterwegs sind. Leichtigkeit, Inspiration, immer nach vorne. Und die mit dem Thema Finanzen, Steuern und Zahlen relativ wenig am Hut haben. Für die ist so ein guter Steuerberater, der proaktiv mit nachdenkt, mit Sicherheit ein guter CFO, weil er sagt: Pass auf, du kannst das Unternehmerische machen, ich halte deine Zahlen im Griff. Da ist es total in Ordnung, womit ich das auch mitmachen kann, weil ich eigentlich die Defizite, die dieser Unternehmer mit sich bringt, der eher impuls- und bauchgesteuert ist als aufgrund seines Zahlenmaterials zu handeln, ihm da auch mal mit solchen Themen mitgeben kann. Wohingegen der tief Rote, der wirklich auch Erwartungen hat, dass dann der CFO as a Service oder Interim CFO das Unternehmen steuert und führt – da glaube ich auch, da haben die Steuerberater häufig zu wenig unternehmerischen Weitblick.
00:13:24: Weil es nicht Teil der Ausbildung ist in vielen Bereichen und weil wir es auch in den klassischen Karrierepfaden erst mal nicht lernen, es sei denn, man trifft auf Menschen wie dich, die sagen: Guck mal, Steuerberater, du bist doch mehr als ein Zahlenverwalter, du bist doch Unternehmer oder Unternehmerin. Wie kommst du eigentlich dahin? Wie kommst du dahin, in deiner Kanzlei zu arbeiten? Was mich in deiner Keynote, wo mein Herz aufgegangen ist, war der Moment, wo du gesagt hast: Ruf doch mal euren Mandanten an, das macht die KI nämlich nicht. Frag doch mal, wie es ihm geht, was er so vorhat, was so ansteht. Weil man daraus ja auf eine ganz andere Beziehungsebene kommt. Und auch viel besser dann mit dem Wissen und dem Vertrauen KI steuern kann, mit dem man den Mandanten gute Lösungen gibt. Und dieser persönliche Kontakt ist etwas, was wir versuchen, hier auch zu predigen. Geh doch zum Mandanten hin, triff dich mit ihm. Arbeite mal einen Tag von ihm aus. Hör dir mal an, wer da mit wem kämpft, wie da die internen Dinge sind, weil man daraus so viel lernt, besser dienen und leisten zu können, was ja ein Teil unserer Arbeit ist, als wenn ich nur hinter meinem Monitor sitze und mir …
00:14:44: Ja, ich habe mir da von Covey die Analogie genommen mit dem Beziehungskonto. Was ja auch wichtig ist, was ich wichtig finde, was ich mittlerweile bei mir total verankert habe. Immer wenn ich mit einem Menschen das erste Mal in Kontakt gehe, dann wird ein Konto eröffnet und dort werden gute Ereignisse, Erlebnisse als Einzahlung definiert und immer dann, wenn mal was schiefläuft, eigentlich als Auszahlung. Und es gibt halt auch neutrale Transaktionen, nenne ich es mal. Das sind nämlich genau die, die durch Automatisierung, KIsierung, Plattformen zur Verfügung stellen, da sind. Das heißt, wenn ich als Steuerberater beispielsweise sage, ich habe jetzt eine Plattform, über die stelle ich alle Informationen zur Verfügung und damit kann ich meinen Mandanten darüber betreuen, weil alles automatisch schön funktioniert, dann ist es erst mal ein toller Service, zahlt aber wenig auf das emotionale Beziehungskonto ein und dadurch bin ich dann nachher als Steuerberater austauschbar. Das heißt, wenn irgendein anderer Steuerberater auch eine tolle Plattform anbietet, aber 30 Euro im Monat weniger kostet, dann bin ich als Mandant viel schneller gewillt, da auch zu wechseln, weil ich halt ansonsten die Beziehung fast ausschließlich über den Service habe, den ich bei dem anderen austauschbar habe. Und wenn ich jetzt aber hingehe und sage: Hey, ich interessiere mich für dich, Mandant, als Mensch in erster Linie. Sag mir doch einfach, was dich gerade beschäftigt. Und das ist nicht mal unbedingt der steuerliche Kontext direkt, sondern daraus resultieren doch meistens steuerliche Dinge. Und wenn es Gestaltungsoptimierung ist, wenn es darum geht, dass man Stress in der Familie hat oder der Sohn nachher die Firma doch nicht übernehmen möchte oder keine Ahnung. Ihr habt da mehr Gespräche mit als ich in der Praxis. Dann erkennt man doch relativ schnell, wo es dann irgendwann mal hingeht. Und wenn man dann zum Beispiel sagt: Pass auf, wenn es gerade so ist, sollten wir vielleicht bald schon mal reden, weil es sieben Jahre dauert, bis sich das nachher auswirkt, wenn wir jetzt da mal was machen. Und dann kommen auf einmal ganz andere Themen, die der Mandant adressiert. Und dann baut sich das Beziehungskonto auch viel schneller positiv auf. Und diese Erlebnisse – wenn du nachher einen Mandanten fragst, warum er 30 Jahre bei dir ist – wird er in den seltensten Fällen sagen: Weil du immer pünktlich die FIBU gemacht hast, sondern er wird Erlebnisse rausholen, wo er in schwierigen unternehmerischen Situationen oder in ganz tollen Situationen, wo er aber trotzdem Unterstützung brauchte, schnelles Wachstum oder Ähnliches, einen Begleiter hatte, auf den er vertrauen konnte. Diese Beziehung kann man immer weiter stärken und das wird auch in der Zukunft immer wichtiger.
00:17:24: Das hast du wieder so schön einfach runtergebrochen, Daniel. Ich kann das von daher bestätigen, was dein IT-Chef gesagt hat. Ich glaube ja, dass das sogar auf der Sachbearbeiter-/Steuerfachangestellten-Ebene so ist. Weil wenn ich verstehe, warum ich Belege nicht vollständig, pünktlich oder digital oder wie auch immer kriege, mich für den Menschen interessiere, und ich ihm mal aus der Patsche geholfen habe, nämlich ins Beziehungskonto eingezahlt habe, dann sind die Leute auch viel eher bereit, mal zu sagen: „Boah, ich würde dir die Belege so gerne pünktlich liefern, aber ich kriege das nicht koordiniert“, weil, was auch immer die Situation ist. Und da ist dann der Beratungsansatz auch beim Mitarbeitenden, der das ganz oft hat, der schon viele Systeme gesehen hat und eben dann einen Tipp geben kann, wo der Mandant dann auch aufgeschlossen ist und nicht sagt: „Der will nur, dass ich seine KI-Plattform nutze, damit er weniger arbeitet.“
00:18:24: Genau. Und das ist ja auch so das Thema, wenn man nicht miteinander spricht. Ich meine, das kennt jeder, der, glaube ich, auch eine Liebesbeziehung führt oder ein Paar ist. Die Kommunikation macht halt die 80 Prozent auch aus. Wenn ich jedes Mal irgendwo dann sage, ich sage es jetzt nicht und brummele, weil ich meine Interessen durchsetzen möchte, dann habe ich nachher genau das gleiche Problem, dass es nachher ein Gegeneinander ist. Und dann sagt der eine: „Ich habe es doch pünktlich abgegeben“, der andere sagt: „Hast du nicht“ oder so und so. Und dieses wieder mal mitzubekommen, wie es dem anderen dabei geht und auch mal nachzufragen und nachzuhören. Natürlich, wenn ich jetzt jemanden 30 Jahre lang gesiezt habe und da eine Distanz war, brauche ich jetzt nicht fragen, wie es gerade den Kindern geht und ob alles in Ordnung ist, weil die Belege mal zwei Wochen zu spät gekommen sind. Aber man kann durch allgemeine Fragen mit Sicherheit erst mal dahin kommen. Und in der Regel reden die Leute dann auch gerne über sich, über das, was sie gerade beschäftigt. Ja, ich glaube, die Herausforderung, die wir da haben, ist: Die Mitarbeiter einer Steuerkanzlei gehen häufig in eine Steuerkanzlei, um nicht so viel mit anderen Menschen zu reden – von den Skills her. Häufig, nicht immer. Ich weiß, dass es bei dir auch anders ist. Ich kenne aber auch andere Kanzleien. Aber das liegt ja meistens an der Führung, dass da die Kommunikation häufig auch gar nicht so gewünscht ist. Und auch da das Thema vielleicht noch mal bei den jungen Mitarbeitern: Wie häufig ist das Thema, dass sie auch mal zum Telefonhörer greifen und wirklich mal anrufen? Was ich da gerne aufmachen würde, ist dieses wirklich miteinander in den Dialog zu gehen und auch nicht nur zielorientiert nach Infos zu fragen, sondern auch einfach mal den Hörer in die Hand zu nehmen und zu fragen: „Hey, was ist denn da los?“
00:20:02: Ja, also wir predigen das ja bei uns auch. Ich hatte zwei aus meinem Team mit dabei, die danach sagten: „Der hat so recht und wir sind schon ganz gut, aber bei dem Anrufen können wir wirklich besser werden.“ Da bin ich erst mal im Kreis getanzt und dann habe ich mit vielen anderen gesprochen und habe gesagt: Sagt es doch noch mal im Stand-up, dass die anderen das auch noch mal aus eurem Mund hören, weil das kommt dann viel glaubwürdiger. Dann habe ich mit vielen anderen gesprochen und du bist schon auf eine Tür eingerannt. Aber dann kommt: „Wie soll ich denn das noch machen? Das ist doch viel zu viel. Das schaffe ich doch alles gar nicht. Ich kann das gar nicht.“ So, das war so meine Gesprächsführung am ersten Tag eines TAXtival. Dann komme ich am zweiten Tag hin und da kommt bei der Eröffnungsrede ein Vortrag, wo ich denke: Ach, was sind das für kleine Problemchen.
00:20:59: Ja, ja, ich verstehe das. Ich finde diese Problemchen, wie du sie benennst, ja … Jemand hat mal gesagt: dornige Chancen. Das ist jetzt Quatsch. Aber im Endeffekt ist es so. Ich will es aber mal andersherum brechen. Ich erzähle mal, wie wir das bei newgen machen, solche Themen. Wir haben immer eine Drei-Monats-Challenge. Das ist immer so eine Quartals-Challenge, so heißt das dann auch. Und dann drucken wir Plakate, dann machen wir mal eine ganz tolle Kampagne daraus mit drei Zielen, wenn wir sie erreichen. Beispielsweise, keine Ahnung. Wir haben jetzt gerade die Fünf-Sterne-Challenge. Das heißt, jeder Mitarbeiter von uns soll zwei Kunden, mit denen er persönliche Beziehungen hat – also berufliche Beziehungen natürlich, aber auf einer persönlichen Ebene –, darauf ansprechen, wie ihnen die Zusammenarbeit mit uns gefällt. Und wenn sie ihnen gut gefällt, dass dann halt eine gute Bewertung bei Google abgegeben wird. Deswegen heißt das bei uns die Fünf-Sterne-Challenge. Und das machen wir jetzt über drei Monate. Hier hängen überall Plakate. Und dann wird am Ende der drei Monate geguckt: Wie viele haben wir denn wirklich geschafft? Und danach geht es dann so: Wenn jetzt irgendwie – was haben wir jetzt gesagt? – ich glaube, wenn es 40 sind, mal als Beispiel, gibt es einen Shaker mit newgen drauf. Ab 50 gibt es dann eine persönliche Tasse und einen Stanley Cup mit einem Namen drauf. Ab 60 machen wir dann irgendein Event. Und das ist dann das Schöne, weil jeder irgendwie gefordert ist. Jeder kann das mitmachen. Aber es ist etwas positiv Behaftetes. Und wenn jemand sagt: „Hey, guck mal, schon wieder ein Fünf-Sterne-Bewertung. Wer war das denn dieses Mal?“ Das ist nur als Beispiel. Davor haben wir noch andere Dinge gemacht. Und damit meine ich zum Beispiel dieses: „Wir müssten mal“ und „Lass uns mal“ und „Guck mal, die haben das gesagt“ und „Das ist richtig“ und „Die machen das nicht so gerne“. Ich finde, wenn man so etwas in eine positiv behaftete Challenge packt, wo alle mitmachen, wo alle auch – also auch bei uns in der Buchhaltung – dann fragt man einfach die zwei, bei denen wir immer superpünktlich die Rechnungen bezahlen, ob die nicht auch mal eine Fünf-Sterne-Bewertung oder einfach eine gute Bewertung abgeben, dass die Zusammenarbeit mit uns gut funktioniert. Das kann jeder mitmachen. Und ich glaube, das ist es manchmal, dass viele Leute sagen: „Was bedeutet das für mich? Was bedeutet das für mich?“ und dann in diesem kleinen egozentrierten Ding bleiben. Also das meine ich nicht negativ, sondern das denkt ja jeder von sich erst mal: Was bedeutet das für mich? Und wenn man irgendwas in so ein Kollektiv einbettet, dann sind viele Sachen viel einfacher.
00:23:37: Ja, und das muss ja nicht gleich der große Befreiungsschlag sein, sondern das sind ja auch ganz kleine Dinge, die, wenn man sie jeden Tag oder jede Woche macht, einen auch zu einer ganz gravierenden Veränderung bringen. Man muss halt mal irgendwie anfangen damit. Und das mit dem positiven Framing ist ein schönes Beispiel.
00:24:00: Da war mal ganz kurz dazu noch ein Satz, fand ich. Damals hat ein CTO von DataFab das mal gesagt. Er sagte: „Veränderung braucht immer positive Erlebnisse.“ Den habe ich mir, ich weiß nicht, das war damals in Nürnberg, seit Jahren irgendwie auch hinter die Ohren geschrieben. Also das ist es doch. Jeder Mensch muss erst mal, wenn er sich verändert, irgendwie merken: Es geht mir dadurch besser. Das fehlt häufig heute.
00:24:29: Ja, weil auch das Lernen und Ausprobieren und Hinfallen und Wiederaufstehen in der Erzählung nicht mehr positiv dargestellt wird.
00:24:39: Genau. Und wie freue ich mich darauf, wenn ich das erste Mal einen Halbmarathon geschafft habe? Ich habe mir dann den Arsch aufgerissen dafür, dass ich das irgendwie hingekriegt habe, habe auf Sachen verzichtet, habe zwischendurch gedacht: Ich schaffe es nicht mehr. Ich erzähle jetzt nur mal die Geschichte, was bei vielen – ich bin auch Laufbetreuer – halt so der Fall ist. Und wenn sie das dann geschafft haben … Dieses Erlebnis, etwas geschafft zu haben, wovon sie vorher nicht gedacht haben, dass sie es irgendwie erreichen können, das fehlt uns häufig so sehr, dass wir auch mal Anstrengungen in Kauf nehmen. Aber dafür müssen wir wissen, wofür wir es auch tun.
00:25:14: Ja, und uns trauen, auch hinzufallen, das Knie aufzuschrammen und dann aufzustehen und das trotzdem zu schaffen. Weil gerade dann, wenn es schwer ist und wenn es einen Rückschlag gab, ist das viel befriedigender, wenn es am Ende klappt. Bevor wir jetzt dramatisch werden: Das kann man in der Kanzlei mit ganz vielen Dingen machen. Wenn ich meine Mitarbeitenden frage: Was sind die gräuslichsten drei Mandantinnen oder Mandanten, die mir die meisten Nerven rauben? Und ich trenne mich einfach mal von denen oder führe ein klares Gespräch mit ihnen, habe ich schon das erste positive Erlebnis von der Veränderung geschaffen. Und es tut gar nicht weh. Es geht allen so viel besser, die Stimmung ist gut, alle freuen sich und der Umsatz kommt schon wieder in der heutigen Zeit. Außer, es ist der größte Mandant, da muss man ein bisschen vorsichtiger mit umgehen. Aber bei der Masse dieser Querulanten, die die eigenen Mitarbeitenden anschreien oder spät bezahlen oder so. Da kann man mit so einem Mitmachen und auf die Mitarbeitenden hören. Da wollte ich eigentlich hin: Welcher Prozess nervt am meisten? Welcher Mandant stört am meisten? Wo seht ihr das größte Verbesserungspotenzial? Einfach mal aufschreiben lassen und dann zwei, drei Dinge umsetzen und plötzlich denken alle: Macht Spaß. Ich kann hier auch was bewegen. Plötzlich sind alle viel engagierter und der Leidensdruck in vielen Sachen. Ich finde das ganz fürchterlich, wenn ich Leute zehnmal daran erinnern muss, etwas zu machen. Und die machen es einfach nicht. Dann stellt sich irgendwann die Frage: Muss ich mit denen weiter zusammenarbeiten? Nein, muss ich nicht.
00:26:57: Ja, du hast in allem recht. Ich will dir noch mal Next Level die nächste Sache mitgeben. Solange du natürlich immer darauf guckst, was am meisten nervt und was … Also ich mache ganz viel mit Steuerkanzleien und die können immer alle sagen, was nervt und welche Mandanten nicht passen. Ich mache jetzt mal Next Level. Wenn jeder Mitarbeiter mal die fünf Mandanten aufschreibt, mit denen er am liebsten zusammenarbeitet. Und dahin guckt. Nach dem Motto: Guckt euch mal den Terminkalender von euch in den nächsten sechs Wochen an. Auf welche Termine mit Mandanten freut ihr euch besonders? Das ist ein Perspektivwechsel. Und wenn du dann nämlich guckst, mit wem du dich besonders freust, dann schreibst du mal die fünf Mandanten auf und gehst hin und sagst: Warum freue ich mich darauf? Was haben die gemeinsam? Und dann überlegst du dir: Wie kannst du die weiterentwickeln? Und wie kann ich andere Mandanten, ob ich sie jetzt schon im Mandantenstamm habe oder noch nicht, noch mehr so aufbauen, damit ich mich noch mehr auf solche Art von Mandanten freue? Dann bist du sofort weg von diesem Weg-von-Gedanken und hin zu diesem Hinzu-Gedanken. Weil viele Kanzleien können sagen, was sie nicht mehr möchten. Sie haben aber ihre Herausforderungen damit zu kommunizieren, was sie möchten.
00:28:20: Ach Mensch, das ist so ein schönes Schlusswort, Daniel. Da will ich gar nicht weiterfragen. Was ich aber noch sagen wollte: Du hast auch ein KI-Tool entwickelt. Das kommt in die Footnotes von dem Podcast. Da können diejenigen, die sich mal ansehen wollen, was Daniel, der Erklärer, der eigentlich aus der IT kommt und Steuerberater coacht, sich dazu ausgedacht hat, bestimmt auch Termine mit dir oder deinem Team machen. TAXtival kann ich auch nur empfehlen. Eine der schönsten Veranstaltungen in der Branche, weil alle offen sind, alle sich gern unterhalten und alle sich über nette Menschen freuen. Vielen Dank für deine Zeit.
00:29:02: Danke, Uli, dass ich hier sein durfte.
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