redenhilft #65: KI killt keine Jobs – sie fordert Mut ein

Shownotes

In dieser Episode von ba taxter spricht Ulrich Britting mit Nicole Gaiziunas, Gründerin der XU Group, über Workforce Enablement und die Frage, wie Menschen und Organisationen mutig durch Transformationen gehen können.

Nicole teilt ihren Weg von der Strategieberatung über Hochschule und Coaching hin zur eigenen Gründung und erklärt, warum Lernen nie bei Wissen stehen bleiben darf. Mit der starken Analogie aus „Atomic Habits“ (Haarschnitt, Hut, Tattoo) macht sie deutlich, welche Lernform wirklich nachhaltig wirkt und wie rollenspezifisches, crossfunktionales Enablement mit Spaß und echter Wirkung funktioniert.

Besonders spannend wird es beim Thema KI: Statt Jobverlust prophezeit Nicole einen Arbeitskräftemangel – vorausgesetzt, wir bauen die richtigen Zukunftskompetenzen wie Kreativität, Urteilsvermögen und Mut auf. Sie plädiert für Sicherheit durch klare Kommunikation, positive Erzählungen und das Schaffen von Rahmenbedingungen, in denen Veränderung zur neuen Routine werden kann.

Ein inspirierendes Gespräch über Neugier, kontinuierliche Weiterentwicklung und die soziale Dimension von Nachhaltigkeit. Hört rein und fragt Euch danach: Welche Rahmenbedingungen muss ich mir schaffen, damit Veränderung gelingt?

Gast Nicole Gaiziunas XU Group LinkedIn

Host: Ulrich Britting
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ba tax gmbh
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Ulrich Britting: Herzlich willkommen zur neuen Episode von ba taxter. Ich bin Ulrich Britting und ich habe heute Nicole zu Gast. Nicole, wenn du in zwei Sätzen erklären müsstest, wer du bist und was dich an deiner Arbeit wirklich antreibt, was wäre das?

Nicole: Ja, sehr gerne. Dann sage ich ein paar Worte. Erst mal herzlichen Dank für die Einladung. Dann sage ich mal so ein paar Worte zu mir, weil es heute ja auch so ein bisschen um das Thema Education und Enablement im Bereich Workforce geht. Genau, meinen beruflichen Werdegang begann ich in der Strategieberatung, wo ich gelernt habe, wie Unternehmen ticken – zumindest die meisten. Ich war dann auch als Trainerin und Coach in zahlreichen Transformationsprozessen unterwegs und immer zum Thema Kompetenzen tätig und habe Kompetenzen weiterentwickelt. Dann war ich an einer Hochschule tätig und habe meinen Exit gemacht. Rückblickend war das auch so ein roter Faden durch meine Laufbahn. Ich habe immer Unternehmen bei ihrer Transformation begleitet und habe dann auch bemerkt, wie ich selbst in meiner Transformation war und mich auf neue Rollen und Perspektiven einlassen musste. Und dann habe ich gemerkt, welche Fähigkeiten natürlich auch die Unternehmen brauchten und welche Fähigkeiten ich bei mir selbst ausbauen musste. Dann habe ich wieder gegründet und das ist das, was die XU heute auch macht. Davon sind wir auch ganz überzeugt. Lernen darf nicht bei Wissen bleiben, sonst bleibt man natürlich auch stehen. Das ist genau das. Menschen können sich nur verändern, wenn sie natürlich auch ihre Zukunftskompetenzen ausbauen. Und das ist genau das, was mich antreibt: natürlich auch die Angst vor der Zukunft zu nehmen und Veränderungen anzustoßen. Das ist genau das. Und wirklich zu helfen, dass Menschen auch mutig sind.

Ulrich Britting: Ja, Mut ist ein wichtiges Thema. Das haben wir auch gerade in einer Vorbesprechung erwähnt. Das ist ja etwas, was uns in Deutschland gerade so ein bisschen fehlt, wird oft gesagt. Wie gehst du damit um und wie ermutigst du andere Menschen? Als Unternehmerin bist du ja mutig und hast mit XU eine ganze Menge aufgebaut. Ihr seid ja kein ganz kleines Unternehmen. Wie gehst du mit dem Thema Mut um und wie ermutigst du andere?

Nicole: Ich glaube, es ist immer die Herausforderung, Menschen die Angst vor der Zukunft und vor Veränderungen zu nehmen. Und ich glaube, es ist unheimlich wichtig, Menschen Mut zuzusprechen. Ich hatte eben das Thema Transformation auch angesprochen: raus aus Routinen zu kommen und wirklich auch gemeinsam Zukunftskompetenzen zu entwickeln. Und ich glaube, da ist Mut ganz wichtig, zu sehen, dass man etwas verändern kann. Und ich glaube, das ist in Deutschland sehr schwierig, weil man denkt, man kann nichts verändern. Dazu ist auch die Kommunikation wichtig. Sie spielt dabei eine sehr, sehr kluge Rolle. Man muss auch eine gemeinsame Sprache finden. Worum geht es eigentlich? Und da sehe ich einen absoluten Erfolgsfaktor darin, gemeinsam Dinge zu erleben und sich von den Gewohnheiten und Routinen ein Stück weit zu befreien. Das ist unheimlich wichtig. Menschen dabei zu begleiten und Dinge gemeinsam zu bewegen – dazu braucht es Mut. Da versuchen wir sicherlich, mit der XU zu unterstützen und gemeinsam einen Schritt zu gehen.

Uli Britting: Du hast gerade schön von Gewohnheiten und Routinen gesprochen. Ich glaube, die haben wir in Deutschland viele. Ich finde das auch gar nicht schlimm. Ich würde gerne Veränderung zur Gewohnheit und zur Routine machen. Denn wenn die kontinuierliche Veränderung und Weiterentwicklung die Gewohnheit und Routine ist, dann können wir auch leichter mutig sein. Was meinst du?

Nicole: Ja, absolut. Das machen wir ja im Workforce Enablement. Vielleicht kann ich da noch mal ein bisschen drauf zurückgehen. James Clear hatte in seinem Buch Atomic Habits eine ganz spannende Analogie dazu aufgestellt. Er spricht von Haarschnitt, Hut und Tattoo. Und der Hut ist immer sehr schnell gewechselt. Vielleicht ein Beispiel: Mitarbeiterinnen machen ein E-Learning. Aber im Alltag arbeiten sie weiterhin in den alten Prozessen. Und das ist das, was wir sehen.

Ulrich Britting: Gerne.

Nicole: Und dann kommen wir mal zum Haarschnitt. Der verändert schon mehr. Aber der wächst auch wieder heraus, wenn man sich nicht darum kümmert. Ich hatte ja eben von Zukunftskompetenzen gesprochen. Das ist ja genau der Punkt: Man muss immer wieder dazulernen. Neue Skills werden geschult und direkt in Projekten auch angewendet. Sie müssen im Laufe der Zeit immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Und das kennen wir ja auch privat und nicht nur geschäftlich. Das Tattoo ist aber eine dauerhafte Veränderung. Dafür bedarf es neuer Fähigkeiten, Prozesse, Karrierepfade und vor allem der Kultur des Unternehmens. Das muss eingebaut werden. Und so werden Veränderungen auch sehr stabil. Ich denke, das lässt sich, wie ich es eben gerade gesagt habe, privat und geschäftlich sehr gut erklären.

Ulrich Britting: Vielen Dank für diesen Vergleich. Was unterscheidet eine Fortbildung oder ein Programm, das wirklich etwas verändern kann, von einem, das nur Kompetenz-Häkchen setzt?

Nicole: Aus meiner Sicht startet es mit Wirkung und nicht mit Lerninhalten. Also immer mit der Frage: Was soll im Alltag danach anders laufen? Und ich glaube, es ist immer wichtig, in echten Rollen, in echten Situationen und bei echten Entscheidungen aus dem Arbeitsleben der Teilnehmerinnen genau das zu finden. Ich glaube, es hängt auch davon ab, Menschen in der Tiefe zu befähigen. Und dass es unheimlich wichtig ist, es rollenspezifisch zu machen. Man sagt ja immer – wenn ich das so flapsig sagen darf –, man darf kein Gießkannenprinzip anwenden. Und genau so ist es auch. Man muss wirklich rollenspezifisch arbeiten und mit Szenarien arbeiten. Man sagt auch immer, die Führungskräfte seien Teil des Programms. Und das müssen sie auch werden. Das, was wir oft erleben, ist allerdings, dass es meistens nicht so ist. Und genau das versuchen wir immer aufzusetzen. Ich habe schon vor vielen Jahren sehr stark crossfunktional gearbeitet. Das ist wichtig: immer über Abteilungsgrenzen hinweg zu denken und sich gemeinsam Denk- und Arbeitsweisen anzueignen. Das schafft aus meiner Sicht eine wirklich große Wirkung. Ich gebe noch mal ein Beispiel, gerade wenn man in AI-Themen unterwegs ist und immer gefragt wird: Wie hoch ist die Nutzungsrate? Man stellt Tools zur Verfügung. Aber man muss die Menschen natürlich auch befähigen und die Tools in den Arbeitsalltag integrieren. Sonst schafft man keine persönliche Produktivität. Sonst denkt jeder: Okay, ich habe das genutzt. Aber wie gehe ich persönlich damit um? Und wie schaffe ich es, dass ich auch Spaß daran habe, das wirklich zu nutzen? Das ist einfach unheimlich wichtig. Dann macht man eben kein Häkchen, sondern hat unheimlich viel Spaß daran. Und ich glaube, genau das ist entscheidend: kein Häkchen zu machen, sondern Spaß an der Umsetzung zu haben und nicht einfach nur einen Plan. Ich denke, das ist auch wichtig. Und um noch mal auf das zurückzukommen, was du eben zum Mut gesagt hast: In Deutschland haben wir ja gerade – nicht nur durch die Medien, sondern insgesamt – häufig die Frage: Was funktioniert denn, was funktioniert nicht? Und wir laufen hier oft auch sehr griesgrämig herum. Ich glaube, bei allem, aber insbesondere dann, wenn man gemeinsam lernt und sich gemeinsam etwas aneignet, ist der Spaß unheimlich wichtig. Dass ich sehe: Wow, ich bin integriert. Wow, das bringt mir etwas. Neudeutsch würde man sagen: Da habe ich einfach …

Ulrich Britting: Spaß ist wichtig. Wir verbringen so viel Zeit mit der Arbeit und leben gerade in einer großen Veränderung. Wenn man das mit Frust, Last und Unlust macht, ist es viel schwieriger, als wenn man es schafft, zu befähigen und dabei Spaß und Freude zu haben. Als ich dich kontaktiert hatte, war das Thema Nachhaltigkeit noch ein großes. Jetzt sind wir in der Vorbereitung eher auf AI, KI und das Lernen gekommen, was aus meiner Sicht auch ganz viel mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Denn Nachhaltigkeit heißt auch, mit der Zeit zu gehen, sich zu verändern – sicherlich auch im ökologischen und sozialen, vernünftigen Umfeld. Aber Nachhaltigkeit heißt nicht nur, im Moment zu leben, sondern strategisch und langfristig zu denken. Wie schafft ihr es, dieses Thema voranzubringen?

Nicole: Für mich ist Nachhaltigkeit auch sozial. Chancengleichheit, das Thema Weiterbildung nach vorne zu bringen, Gesundheit, Mitbestimmung und auch ein faires Miteinander – ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig, insbesondere wenn man sich in Transformationen bewegt. Und wenn wir es ganz genau nehmen wollen, bedeutet Nachhaltigkeit für mich nichts anderes als langfristige Wirksamkeit. So muss man es wirklich sehen. Man kann nicht nur einmal etwas machen, sondern man muss es nachhaltig machen. Das ist das, was ich immer wieder erlebe. Man macht etwas – und um noch mal auf dein Beispiel zurückzukommen – und dann denkt man, das ist gut. Oder man sagt etwas, wenn man in einer Transformation steckt, und dann ist es gut. Das reicht aber nicht aus. Man lebt Veränderungen durch Wiederholung. Und wir hatten es eben von Routinen. Man lebt Dinge nur, wenn man darin Routine entwickelt. Erst dann kommt es zur Veränderung. Man könnte aber auch das Gegenteil sagen: Wenn man sich verändern will, muss man aus seinen Routinen heraus. Aber in der Transformation ist es erst einmal wichtig, bei Veränderungen immer wieder zu kommunizieren. Zu sagen: Okay, da wollen wir hin. Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Ich denke, es ist wie beim Sport. Es ist wichtig, beim Basketball immer wieder zu üben und zu üben und zu üben, damit man natürlich den Korb trifft. Und das ist wichtig. Nachhaltigkeit ist für mich deshalb auch langfristige Wirksamkeit.

Ulrich Britting: Vielen Dank dafür. Ich finde das Sportbeispiel gerade sehr gelungen. Ich habe ja eine Vergangenheit im Rudern. Das ist eine sehr repetitive Tätigkeit, die auch ganz viel von Routine lebt. Trotzdem ist man kontinuierlich dabei, wenn man das als Leistungssport macht, seinen Bewegungsablauf zu verändern. Und das ist total schwer.

Nicole: Ja. Ja.

Ulrich Britting: Es ist auch anstrengend, aber nur über diese kontinuierliche Veränderung und das permanente Hinterfragen kommt man zu anderen Ergebnissen. Und ich merke jetzt später, dass dieses lange Leben in der Routine und das kontinuierliche Verändern beim Rudern einfach massive Vorteile bringen gegenüber Leuten, die es noch nicht so lange machen. Die Bereitschaft, sich immer wieder zu hinterfragen und an sich selbst zu arbeiten, ist dabei der Schlüssel zum Erfolg – aus meiner Sicht.

Nicole: Ich glaube, Sport ist genau das Thema, wovon wir auch in den Unternehmen lernen können. Die XU macht gerade ganz viel im Sport. Das ist total spannend und wahnsinnig gut übertragbar. Ich glaube, das sollten wir viel mehr tun.

Ulrich Britting: Ihr macht das jetzt im Bereich Mitarbeitenden-Enablement. Was sind aus deiner Erfahrung die wirksamsten Hebel, um wirklich Engagement für Veränderungen und Transformation zu erzeugen und nicht nur das Abhaken einer Fortbildung?

Nicole: Also ich denke – oder aus meiner Sicht, ich hatte es eben schon mal gesagt – lassen wir das Thema Routine gerade noch einmal stehen. Wir hatten es ja schon angesprochen und du hast es mit dem Rudern sehr gut beschrieben. Ich glaube, was außerdem wichtig ist, ist das Thema Sicherheit im Unternehmenskontext. Ich glaube, Menschen brauchen auch einen Raum, um über Unsicherheiten zu sprechen sowie Fragen und Widerstände offen anzusprechen. In einer Welt, in der sich alles gefühlt unsicher anfühlt, braucht es einen Rahmen, in dem man sich – wir hatten es eben schon einmal – geschäftlich acht Stunden am Tag bewegt. Da braucht man natürlich auch Sicherheit und Klarheit in der Kommunikation. Das ist aus meiner Sicht unabdingbar: diese Offenheit zu haben und Orientierung zu geben. Das sehe ich ganz, ganz stark. Und so, wie ich es eben schon einmal gesagt habe: Lieber fünfmal gesagt als nur einmal. Ich erlebe häufig, wie wichtig es ist, Sicherheit zu geben und diesen Raum zu schaffen. Das ist sehr, sehr wertvoll. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel erlebt, womit wir nicht gerechnet haben, und das verunsichert. Diese Sicherheit, dieser Raum und dieses Miteinandersprechen – das braucht es, um wieder in eine Veränderung zu kommen. Das ist meine Sicht.

Ulrich Britting: Ja, das auf jeden Fall. Und natürlich aus meiner Sicht auch positive Erzählungen. Wenn wir jetzt ein bisschen zum Thema Veränderung und KI springen: Das ist ein Thema, das massiv verunsichert, weil alle Angst haben, dass ihre Jobs ersetzt werden und wir als Menschen überflüssig werden. Das kann man aber auch ganz anders erzählen. Darüber hast du letztens auch auf LinkedIn sehr schön gepostet. Vielleicht kannst du das hier noch einmal teilen: Wie könnte deine Sichtweise auf diese Angst vor Jobverlust oder Bedeutungsverlust im Zusammenhang mit KI geframt werden?

Nicole: Wir machen ja sehr viel zum Thema KI. Wir beschäftigen uns intensiv damit und setzen gemeinsam mit Partnern in Unternehmen auch sehr viele Tools ein. Ich bin eine absolute Befürworterin davon, weil ich ganz fest der Meinung bin, dass die persönliche Produktivität, aber auch die Produktivität der Unternehmen dadurch enorm gesteigert werden kann. Dadurch entstehen viele Chancen auf neue Themen, ein erweitertes Arbeitsfeld und auch neue Arbeitsplätze. Jetzt können viele über mich sagen: „Um Gottes willen, nein Nicole, das siehst du ganz anders.“ Aber viele Studien zeigen, dass da ganz viel dran ist, weil wir uns dadurch auch wieder weiterentwickeln. Das sieht man insbesondere auch in der deutschen Wirtschaft, die an vielen Stellen massiv hinterherhängt und sich tatsächlich weiterbewegen muss. Deswegen bin ich der Meinung, dass wir unsere Kompetenzen in diesem Bereich viel stärker ausbauen sollten. Wenn wir das tun – und ich denke, darauf möchtest du auch hinaus –, dann eröffnet sich eine wirklich große Chance. Denn wenn wir AI gut lernen und uns darin qualifizieren, brauchen wir gleichzeitig wieder andere Fähigkeiten. Genau das wird gerade sichtbar. Und ich glaube, darüber denken noch zu wenige nach. Denn wer mit AI arbeitet, muss natürlich auch bestimmte Dinge können. Man muss den jeweiligen Case verstehen können. Und wer nicht kreativ denkt, kann auch nicht gut prompten. Ich glaube deshalb, dass Themen wie Kreativität, Urteilsvermögen, Entscheidungsfähigkeit und eben auch Mut wieder viel sichtbarer und wichtiger werden. Das führt zu völlig neuen Möglichkeiten. Und genau diese Diskussion sollten wir führen. Meine These lautet deshalb: KI wird nicht zu Massenarbeitslosigkeit führen, sondern zu Arbeitskräftemangel. Darauf schauen wir, glaube ich, noch nicht wirklich. Davon bin ich überzeugt.

Ulrich Britting: Ja, ich teile das an vielen Stellen. Ich glaube schon, dass es Bereiche gibt, in denen Menschen, wenn sie sich nicht weiterentwickeln und verändern, vor großen Herausforderungen stehen werden. Ich glaube aber auch, dass es – wenn ich an Wertschöpfung, sinnstiftende Tätigkeiten und Weiterentwicklung denke – in allen Bereichen jede Menge sinnstiftender Arbeit gibt, die in Zukunft noch stärker gebraucht wird oder schon heute gebraucht wird, wir aber oft in alten Mustern gefangen sind. Und beim Thema Kreativität rennst du bei mir und uns offene Türen ein. Wir wurden im letzten Herbst inspiriert und haben unser Team-Sommer-Event bei ba tax ganz unter dieses Motto gestellt. Wir machen wilde Workshops – von Vibe Coding über Kunst bis hin zu Improvisationstheater – mit dem gesamten Team, um genau diesen Kreativitätsimpuls zu setzen und dazu anzuregen. Denn ich kann nicht von Kreativität reden und sie predigen, wenn ich nicht gleichzeitig ein Umfeld schaffe, in dem man die gewohnten Grenzen verlassen kann. Nun reden wir beide viel über Veränderung. Wie schaffst du es denn selbst, dich zu verändern und aus deiner Komfortzone herauszukommen?

Nicole: Ja. Also, das ist natürlich auch nicht einfach. Ich lerne natürlich auch jeden Tag. Das ist notwendig. Ich glaube, für mich ist außerdem wichtig, dass ich immer wieder Feedback bekomme und immer wieder in den Austausch gehe. Das ist für mich wahnsinnig wichtig. Außerdem schaue ich mir Themen an, die auch kritisch sind und mit denen ich mich intensiv auseinandersetze. Das sind für mich die wichtigsten Punkte: die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven, Dinge anzuhören und Feedback zu bekommen.

Ulrich Britting: Ja, vielen Dank dafür. Ich finde, das ist eine einmalige Chance, wieder ein bisschen ins Kindliche zurückzufallen und neugierig zu bleiben. Wenn ich neugierig bin, Dinge sehen und verstehen will und dafür offen bin, ergibt sich der Rest fast von allein.

Nicole: Ja. Ja, absolut. Ich glaube, das ist gut, was du sagst. Dieses Kindliche und neugierig zu bleiben, das ist total wichtig. Ich glaube, das ist ein sehr guter Gedanke.

Ulrich Britting: Danke. Wenn wir jetzt zum Abschluss unserer Podcast-Episode den Zuhörenden einen Impuls mitgeben wollen: Mit welcher Fragestellung sollten sie sich aus deiner Sicht beschäftigen? Oder mit welcher Frage sollten sie nach dem Hören dieses Podcasts hinausgehen?

Nicole: Ich hatte eben von Rahmenbedingungen gesprochen. Ich finde immer die Frage wichtig: Welche Rahmenbedingungen muss ich mir schaffen, damit Veränderung überhaupt eintreten kann? Ich glaube, damit würde ich gerne schließen. Denn ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns einen guten Rahmen für Veränderung geben.

Ulrich Britting: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nicole, vielen Dank für dieses abwechslungsreiche und interessante Gespräch. Und vielen Dank für deine Zeit. Es war mir eine große Freude.

Nicole: Dankeschön, mir auch.

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