redenhilft #64: KI-Revolution in der Steuerkanzlei

Shownotes

Vom Wein-Startup zur KI-gestützten Steuerberatung der Zukunft – in dieser spannenden ba-taxter-Episode nimmt uns Jakob Brandt, Gründer von Steuerboard, mit auf seine persönliche und unternehmerische Reise.

Im Gespräch mit Host Ulrich Britting erzählt er, wie er aus der Finanzwelt eines Wein-Shops heraus die alltäglichen Herausforderungen zwischen Mandanten und Steuerberatern erkannte: endlose Belegjagd, manuelle Prozesse und wenig Zeit für echte Beratung. Genau dort setzt Steuerbord an. Mit den beiden smarten KI-Agenten, dem Collect Agent und dem Signals Agent, wollen sie die Branche verändern.

Ob kleine Einzelkämpfer-Kanzlei oder große Sozietät – wenn es nach Jakob geht, sind Neugier und die Bereitschaft, Prozesse neu zu denken, entscheidend.

Eine motivierende Episode voller Praxis-Insights, die zeigt: Die Zukunft der Steuerberatung ist nicht bedrohlich, sondern aufregend – wenn man sie aktiv mitgestaltet.

Eine Folge für alle Steuerberater:innen, die ihre Kanzlei zukunftssicher machen wollen!

Gast Jakob Brandt Steuerboard LinkedIn

Host: Ulrich Britting
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ba tax gmbh
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00:00:01: Herzlich willkommen zur neuen Episode von ba taxter. Ich bin Ulrich Britting und ich freue mich heute Jakob vom Steuerboard zu begrüßen. Hallo Jakob.

00:00:12: Herr Britting, vielen Dank für die Einladung.

00:00:14: Wir haben noch nicht so viel miteinander zu tun gehabt, aber euer Produkt ist so spannend. Aber bevor wir zu dem kommen, was du mit deiner Firma Steuerboard machst, kannst du ein paar Worte zu dir erzählen. Wer bist du? Und ich habe es gerade im Intro schon angesprochen. Du hast vorher einen Weinshop gemacht. Das wäre dann die zweite Frage. Wie kommt man vom Wein zur Steuer? Aber erstmal, wer bist du eigentlich?

00:00:41: Ja, also ich bin Jakob, bin in Erfurt geboren, dann bin ich eigentlich über einen Zufall in Düsseldorf gelandet, hab hier Betriebswirtschaftslehre studiert und bin dann auch eigentlich wieder so ein bisschen durch einen Zufall in dem Wein-Thema gelandet, aber war da gar nicht so sehr mit dem Thema Wein betraut zu sein, dort vor allen Dingen für Finanzen zuständig. Bin dort damals in ein Start-up mit reingegangen, als Angestellter. Hab mich dort vor allen Dingen um Prozesse und Finanzen gekümmert. War damals sehr spannend. Ich hab auch schon in meiner Studienzeit auch mal in der Kanzlei gearbeitet. Also das Thema Steuern war mir jetzt nicht ganz unbekannt. War ich schon ein bisschen vorgeprägt. Und dann in dem in dem Start-up, wo es um Wein ging, habe ich mich eben auf der anderen Seite viel auch mit der Steuerberatung auseinandergesetzt und viel mit den Prozessen dahinter und viel auch damit, wie vielleicht junge Unternehmen mit Steuerberatern zusammenarbeiten heute. Das hat mich auch ein Stück weit geprägt. Und dann ging es im Endeffekt weiter zu Steuerboard, wo wir später noch drauf kommen. Ansonsten, wer bin ich? Was gibt es zu mir noch zu sagen? Ich lese sehr gerne, bin großer Romanliebhaber, bin ja gerne mal auf dem Tennisplatz unterwegs oder beim Sport und lebe hier in Düsseldorf mit meiner Familie.

00:02:26: Aber vielen Dank, Benji, kurzer Cut. Kannst du ein bisschen konsequenter beim Mikro bleiben? Immer wenn du wegguckst und so, verändert dann die Aufnahme. Benji geht weiter. Ja, vielen Dank für das Intro. Habt ihr in dem Weinumfeld noch klassisch mit Papierordnern gearbeitet oder wart ihr schon innovativ auf Datev-Unternehmen unterwegs? Oder add diesen One-Click oder eine ähnliche Lösung?

00:02:32: Hm? Haha. Ja, da waren wir auf jeden Fall innovativ unterwegs. Also Papier gab es dann nicht mehr. Wir haben das schon natürlich alles digital gemacht und haben auch zugesehen, dass die Prozesse da gut ineinander gehen.

00:03:06: Und dann kommen wir mal zu Steuerboard. Das ist ja dann das Ergebnis auch aus dem, was du vorher geworden bist. Was macht ihr da? Was ist eure Spezialität? Worauf fokussiert ihr euch?

00:03:23: Wir haben ja Steuerboard in 2023 gegründet. Erstmal einfach mit dem Ansinnen, so wie aktuell die Zusammenarbeit von Mandanten und Steuerberatern funktioniert, sind wir noch lange nicht beim Optimum. Und da sind wir rangegangen und haben gesagt, wie können wir das so unterstützen, dass wir eine Experience bekommen, die auch im 21. Jahrhundert gut funktioniert ganz provokativ auszudrücken. Wir konzentrieren uns vor allen Dingen darauf, die Steuerberatung so zu denken, dass wir sie ins heutige Zeitalter bekommen und dass wir vor allen Dingen auch eine andere Assoziation wieder zur Steuerberatung bekommen. Weil wir haben ja ganz häufig das Thema, wenn man jetzt Mandanten fragt, Thema Steuerberatung, lästige Pflicht muss ich irgendwie nebenbei machen. Positiv assoziiert ist es häufig nicht. Es ist zwar ein großes Vertrauen da, aber es ist jetzt vielleicht kein Spaßthema. Wenn man es jetzt mal ganz visionär ausdrücken möchte, wollen wir das ein Stück weit umgestalten. Wie machen wir das? Wir gucken uns vor allen Dingen die Prozesse in den Kanzleien an und schauen, wie können wir das mit neuen Technologien verbessern, schneller machen, qualitativ hochwertiger machen. Ja, da sind wir jetzt natürlich Schlag im Thema Automatisierung und in dem Thema, wie kann ich KI heute in der Kanzlei benutzen, bestimmte Prozesse zu automatisieren oder aber auch andere einfach besser zu machen, ohne dabei so den Menschen ganz aus dem Auge zu verlieren.

00:05:06: Bevor wir in die technischen Details kommen, kannst du noch ein bisschen darüber erzählen, wie ihr Steuerberatung und die Prozesse neu denkt. Ihr kommt ja erst mal aus der Mandantensicht auf, wenn du irgendwann mal in der Kanzlei gearbeitet hast. Wie kriegt ihr diese Brücke geschlagen?

00:05:28: Ich glaube, ganz viel ist natürlich Beobachtung, ganz viel ist Gespräche führen, ganz viel ist reingucken, wie wird es aktuell gemacht. Ganz viel ist dann aber auch, sich mal hinzusetzen und zu überlegen, wie würde man es jetzt vielleicht auf dem weißen Papier neu machen. Auch ganz viel. Vielleicht mal nicht zu stark den Status quo sich anzugucken, sondern einfach mal zu schauen, wie würde man jetzt aktuell das vielleicht auch neu designen, wenn man sich es jetzt ganz aussuchen dürfte und auf der grünen Wiese starten würde. Und ich glaube, das ist immer so ein Kompromiss, den man da machen muss, weil klar, wir haben nicht immer die grüne Wiese, wollen aber natürlich möglichst optimale Prozesse haben und viel so gestalten, wie wir es auf der grünen Wiese machen könnten. Und ich glaube, in dem Spannungsfeld bewegen wir uns. Und ich glaube, wie kriegen wir den Blick da rein oder wie kommt man zu den Informationen. Ich glaube, das ist viel auch ein Thema von wie sehr kann man sich in so ein Thema reinfressen. Ich glaube, das ist ganz viel Recherche, ganz viel mit Leuten sprechen. Mit jedem Gespräch, was man führt, mit einer Kanzlei, wird man immer wieder ein Stück schlauer, kriegt immer wieder einen neuen Blickwinkel, lernt immer wieder was Neues kennen. Und ich glaube, da sind wir mittlerweile ganz gut drin und haben viel, viel gesehen. Und dadurch entwickelt man natürlich sehr gut ein eigenes Verständnis auch dafür, wie die Sachen vielleicht aktuell laufen und wo sie vielleicht auch nicht laufen.

00:07:02: Mit drei Jahren im Markt seid ihr ja auch fast schon etabliert. Wie viele seid ihr denn? Also ihr habt zu zweit gegründet, oder?

00:07:12: Wir haben zu zweit gegründet, haben dann im letzten Jahr ein Stück weit ein Team auch aufgebaut. Wir sind jetzt aktuell sechs Vollzeitmenschen, die hier arbeiten in Düsseldorf. Sitzen auch hier zusammen. Also wir sind keine Remote Company, sondern sitzen auch wirklich hier im Büro gemeinsam und planen jetzt Richtung Jahresende uns nochmal zu verstärken, weil wir merken schon gerade geht es in Richtung Kapazitätsgrenze.

00:07:40: Das ist ein kontinuierliches Problem bei wachsenden Unternehmen. Und zumindest an der Stelle versteht ihr ja denn eure Kunden die Kanzlei noch ganz gut. Kennen das mit der Kapazitätsgrenze ja auch. Jetzt macht ihr das seit drei Jahren. KI ist ja gerade in aller Munde. Ich habe auf der Webseite gelesen, euer Setup ist total deutsch gehostet, sicher, europäisch. Kannst du da nochmal was zu erzählen, wie ihr damit umgeht und wie euch das von den sonstigen KI-Wildwüchsen, die es teilweise gibt,

00:08:18: Ja, klar. Ist ein Thema, was ich glaube ich, oder anders gesagt, es gibt glaube ich keinen Tag, an dem ich dieses Thema nicht mit irgendjemandem bespreche. Also das ist definitiv ein Dauerbrenner, sowohl das Thema Datenschutz als auch natürlich die berufsrechtlichen Themen 203, 62a. Du kennst die Geschichten. Wir haben ein Setup gewählt, was damit gut kompatibel ist und wo ich das Ganze in einem rechtssicheren Rahmen einsetzen kann. Wie machen wir das konkret? Wir hosten unsere App bei Hetzner. Das heißt alles, was so die klassische Applikation anbetrifft, liegt bei Hetzner. Mit denen haben wir auch eine Zusatzvereinbarung über 203. Das sind ja immer die zwei wichtigen Bausteine, die du eigentlich brauchst. Du musst einmal gewährleisten, dass die DSGVO eingehalten wird. Das heißt, dass wir irgendwie ein Hosting haben, was in der EU passiert oder zumindest mit irgendwelchen Zusatzklauseln abgesichert wird. Letzteres funktioniert dann nicht so gut bei der zweiten Hürde. Da haben wir ja das Thema Verschwiegenheit, wo ich eben mit dem Anbieter eigentlich konkrete Zusatzvereinbarungen brauche. Auf beides mussten wir natürlich achten. Großes Thema ist ja auch immer KI-Hosting. Wie kriege ich das konform hin? Das ist auch das, was bei uns am meisten angefragt wird. Mensch, ihr nutzt doch KI bei euch. Ihr seid AI-Native. Wie macht ihr das? Wir hosten unsere KI-Modelle bei AWS Bedrock mit dem Serverstandort Frankfurt und haben mit denen eine Zusatzvereinbarung auch über die Verschwiegenheit. Und der letzte Punkt ist meistens der Knackpunkt. Das ist immer eine individuell ausgehandelte Geschichte, beziehungsweise die rücken das nicht einfach raus, wenn man jetzt einen Standardvertrag abschließt, sondern da ist bisschen Mühe notwendig. Und das ist das Setup, in dem wir uns bewegen. Und da können wir verschiedenste KI-Modelle einbinden, nutzen aktuell vor allen Dingen die Modelle von Claude. Ganz konkret Claude Opus 4.7 ist bei uns viel im Einsatz gerade für die Hörer, die das vielleicht bisschen tiefer interessiert. Aber…

00:10:36: Je nachdem wann man das hört, das kann sich natürlich schnell ändern. Also wir können grundsätzlich auch andere Modelle anbinden.

00:10:41: Ja, Claude ist ja gerade in den letzten Wochen der Rising Star der Szene. Wir intern auch, versuchen auch noch, unseren Weg da reinzufinden. Das ist wohl so. So, jetzt haben wir über das rechtliche Grundgerüst gesprochen. Und jetzt interessiert mich natürlich, was sind so eure klassischen Kunden? Ist das eine kleinere Kanzlei, Mittlere Kanzlei, Großkanzlei? Herr Britting, wie sieht das bei euch aus? Was ist dein Traum?

00:11:16: Schöne Frage. Also grundsätzlich ist es bei uns sehr gemixt. Wir haben von der Kanzlei mit fünf Personen bis hin zu 300-Mann-Kanzleien eigentlich alles dabei. Also ich würde sagen bunt gemixt. Ich würde es gar nicht so sehr über die Größe definieren, wer unser Wunschkunde ist. Unser Wunschkunde ist vor allen Dingen neugierig, hat Lust neue Dinge auszuprobieren und ist vor allen Dingen offen für Neues. Das ist immer der größte Erfolgsfaktor, dass man sich eben wirklich mit den neuen Dingen auseinandersetzt und dass man wirklich Lust hat, auch Prozesse mal neu zu denken, ohne jetzt immer zu sagen, das haben wir immer schon so gemacht. Und dann merken wir, ist die Kommunikation am schönsten, dann macht es am meisten Spaß und dann kommt es gar nicht so sehr darauf an, wie groß die Kanzlei ist. Grundsätzlich machen wir da keine Einschränkungen. Du kannst bei uns als Dreimannkanzlei oder auch als Einzelkämpfer … vorbeikommen. Du kannst aber auch sehr groß sein.

00:12:19: Also grundsätzlich das ganze Portfolio, sage ich mal, der Steuerberatungskanzleien, die es so gibt im Markt. Und gibt es so klassische Prozesse, die ihr immer wieder findet? Gibt es was, was jeder gleichmacht oder wo ihr denn doch einen Wiederholungseffekt habt? Oder ist es doch sehr individuell gestrickt bei den Kanzleien?

00:12:43: Ja, also ich glaube, klar, jede Kanzlei hat so ein bisschen ihre Besonderheiten, aber wir sehen schon, dass es viele Schnittmengen gibt. Wir verfolgen ja aktuell zwei Thesen oder zwei Hauptbereiche, auf die wir uns mit unseren Agenten ganz konkret fokussieren. Und das ist einmal das Thema, wie kriege ich überhaupt meine Pflichtaufgaben, die deklaratorischen Tätigkeiten, sie mal so zu nennen. Wie kriege ich die möglichst effizient abgehakt? Und da sehen wir ein Thema immer wieder, das Einsammeln von Informationen. Das ist superaufwendig. Ich meine, jeder kennt das. Um zu arbeiten, brauche ich Informationen von Mandanten. Es geht beim Onboarding los mit Stammdaten. Das geht weiter über die FIBU-Belege. Das geht weiter über Auskünfte für den Jahresabschluss. Hört eigentlich nie wieder auf bis zum Off-Board. Und das ist ein Thema, wo wir uns mit unseren Agenten tummeln und sagen, wir haben einen Agenten, der ganz konkret Dokumente vom Mandanten einsammelt. Zum Beispiel fehlende Belege für die FIBU. Das ist ein Evergreen. Das ist ungefähr bei fast jeder Kanzlei so, dass sie sagen, ich habe Probleme mit fehlenden Belegen und verliere da Zeit, dem Mandanten hinterherzurennen. Selbst wenn ich gut organisierte Mandanten habe, irgendwas fehlt immer. Und das ist etwas, was wir immer wieder sehen. Deswegen, dass auch ein Fokus von uns ist, dass wir sagen, okay, wir haben einen Agenten, der sich konkret das Einsammeln von Dokumenten.

00:14:23: Das heißt, der greift sozusagen auf die Buchhaltung zu, sieht, wo Belege fehlen oder ein bestimmtes Konto, wo Zahlung oder Beleg drauf ist und schickt dann automatisierte E-Mails an den Mandanten oder Nachrichten an Mandanten.

00:14:39: Korrekt. Du hast einen Agenten, der auf konkret aktuell die Datev-Umgebung zugreifen kann, dort in die Buchhaltung schaut, den Mandanten kontaktiert, dem Mandanten auch eine einfache UI, eine einfache Oberfläche gibt, wo er das Ganze tun kann, ohne dass er sich einloggen muss und ohne Reibungsverlust. Das ist auch immer ganz wichtig. Das ist auch eine Parallele von vielen Kanzleien, die jetzt vielleicht nicht direkt einen Kanzleiprozess trifft, aber trotzdem, glaube ich, wichtig ist, dass man sehr umstellungsmüde ist. Also wir sehen schon, gerade wenn es darum geht, dann auf einen anderen Prozess umzustellen, eigene Mitarbeiter auf andere Prozesse umzustellen, da sehen wir gerade eine große Müdigkeit, trotz der, wie ich finde, Aufbruchsstimmung, dass viele Leute sich neuen Dingen widmen wollen in der Branche. Also wir sehen gerade schon, dass gerade so das Thema KI und auch das Thema, wie entwickelt sich der Berufsstand in Zukunft gerade sehr positiv gesehen wird und viele Leute anpacken wollen. Trotzdem merkt man auch, Umstellungsmüdigkeit ist da. Das ist immer wieder deswegen bei uns auch wichtig, dem Agenten wenig bis keine Umstellung, sodass er sich quasi an bestehende Themen anschmiegt.

00:15:56: Mit der Müdigkeit kenne ich hier aus eigener Erfahrung. Die kommt auch immer ganz überraschend und dann ist sie plötzlich wieder weg, ohne dass man genau weiß, das jetzt sich im Team so entwickelt hat. Mit der Zeit gibt es natürlich ein paar Vermutungen, viele On- und Off-Boardings von man dann machen. Private Dinge zählen da auch rein, aber die Müdigkeit trifft jeden irgendwann mal. Bei ganz überraschenden Dingen. Und das ist sicherlich was, worauf man Rücksicht nehmen muss, auch dann weniger zu stören. Also Einsammeln von Belegen ist einer der Agenten, der macht. Du sprachst aber vorhin von zwei Kernbereichen.

00:16:48: Genau, also das ist zusammenfassend auch der ganze Bereich, wie wickel ich mein deklaratorisches Geschäft möglichst effizient ab. Und davon sprechen wir immer von der Pflicht. Ich muss irgendwie meine Buchhaltung in einer quantitativ hochwertigen Art und Weise bereitstellen. Ich muss meine Abschlüsse machen. Das muss alles stimmen. Und wenn man jetzt natürlich mal in die Zukunft blickt und immer mehr von der Annahme ausgeht, wir automatisieren immer mehr dieser Prozesse. Dann stellt sich ja auch die Frage, was mache ich dann eigentlich noch? Welchen Mehrwert liefere ich als Kanzlei? Außer jetzt eine klassische Quality Assurance. Und wenn wir davon ausgehen, dass die Feebook-Hürde sinkt, wir, und ich denke, da sind wir nicht alleine mit, sehen natürlich noch großes Potenzial im ganzen Bereich der Beratung. Und die Steuerberatungskanzlei immer mehr in Richtung CFO-Service gehen, Sparring-Partner für Mandanten und Mehrwerte eben liefern, die über die klassische Buchhaltung hinausgehen. Und da sind wir heute in der großen Zwickmühle, dass wir so gefangen sind im deklaratorischen Geschäft und eigentlich schon zu 100 Prozent ausgelastet sind, da sprachen wir auch schon kurz drüber, dass wir gar keine Zeit haben, Beratung systematisch abzubilden. Und anderes Thema, das Ganze auch viel zu aufwendig wäre, als dass für jeden Mandanten wirtschaftlich abbildbar ist. Weil ich mache ein Beispiel. Wir haben jetzt Mandanten. Bei dem müsste ich mich eigentlich, seine Besonderheiten zu erkennen, jeden Monat mal hinsetzen und mir eine halbe Stunde seine Zahlen angucken. Oder einmal im Quartal eine Stunde. Dann gehe ich damit vielleicht mit einem Thema zu Mandanten, müsste da aber vorher schon mal Zeit reinstecken, ihm überhaupt einen Themenvorschlag zu machen. Da muss man ja auch ehrlich sein, liegt es nicht immer an der Kanzlei, sondern Mandanten sind da auch nicht immer zahlungsbereit. Gerade für solche Vorbereitungsaufgaben. Und ich glaube, da können wir sehr gut die heutigen Werkzeuge einsetzen. Gerade KI ist da sehr stark und deswegen auch unser zweiter Agent, der nennt sich bei uns der Signals Agent, der schaut in die Buchhaltung und erkennt bestimmte Beratungsanlässe automatisch. Das heißt, du musst dich eben nicht mehr jedes Quartal hinsetzen oder jeden Monat und schauen, was gibt es jetzt bei dem Mandanten Müller für Auffälligkeiten, sondern der Agent schaut rein, sagt dir schon, was es bei den Mandanten so gibt, wo man vielleicht mal reingucken könnte und gibt dir auch schon direkt Vorschläge mit. Analysen und du kannst dann mit dem Agenten brainstormen und dir Sachen vorbereiten lassen für das nächste Beratungsgespräch. Und da kommen wir dann in Richtung Kür. Deswegen bei uns immer so ein bisschen zweigeteilt. Einmal der, ich sag mal, Pflichterledigungsagent, der Informationen einsammelt und dann der Signals Agent, der eben mehr in die Richtung geht. Wie kann ich wirklich in meiner Kanzlei ein Beratungskonzept umsetzen und dem Mandanten Insights geben, die Ansonsten zwei Stunden Vorbereitung gebraucht hätten und die ich so den Mandanten einfach mal so mitgeben kann und sagen kann, hier lieber Mandant, ich hab mir deine Zahlen angeschaut, deine Forderungslaufzeiten sind vom letzten Jahr 15 Tage gestiegen, wollen wir nicht mal über ein automatisiertes Mahnwesen sprechen oder wie wir das vielleicht lösen können. Der Mandant hat das Gefühl, der Ulrich, der kennt sich total aus mit meinen Zahlen, der guckt da ständig proaktiv rein, der kennt jeden Buchungssatz. Und in Wahrheit hat der Agent halt mal reingeschaut und dich dazu befähigt, dass du das Ganze eben auch in kürzester Zeit machen kannst.

00:20:12: Das finde ich ein ganz schönes Beispiel. Ich habe vorher überlegt, das mit den automatischen Analysen bei Buchhaltungen, die sechs Wochen und älter sind, wenn sie beim Mandanten ankommen, den auch Mehrwert bringt, weil wir sind für proaktive Beratung, sage ich immer, bei neuen Menschen, hier ankommen, müssen wir sprechen. Ich muss wissen, was du vorhast, das musst du Mandanten erzählen. Wenn du das nicht machst, dann habe ich alte Zahlen. Dann können wir nur noch retten und nicht mehr gestalten und auch nicht mehr wirklich beraten, weil es dann zu spät ist. Aber das Thema ist da genau dasselbe wie bei dem Fall, du geschildert hast. Der Mandant hat keine Zeit, denkt nicht immer gleich an einen Steuerberater und dass er mit ihm sprechen sollte. Und das Pricing-Thema ist auch eins, was immer bei diesen Themen zwar ganz schnell viel mehr Wert liefert, aber erstmal auch widerständig ist. Was sind eure nächsten Projekte? Frage ich einfach mal so. Wo glaubst du, wir können es natürlich bei eurem Projekt und Produkten fragen oder wo glaubst du, die Reise hin in der Steuerwelt?

00:21:30: Ja, vielleicht auch beides ja ein Stück weit miteinander verbunden. Wir definieren uns ja auch immer dadurch, dass wir natürlich probieren, das Ganze so zu antizipieren oder in die Richtung zu entwickeln, wo wir auch glauben, dass die Branche hingeht. Ich hatte ja vorhin schon kurz den Gedanken CFO-Service geäußert. Ich glaube, das ist für uns ein starkes Zielbild. Der Steuerberater kann ja nicht nur die Buchhaltung machen und sich um Steuern kümmern, sondern eben auch bei finanziellen Entscheidungen helfen. Ich glaube, die Vertrauensposition, die man da als Kanzlei- und Steuerberater hat, die ist ja sehr gut. Gerade hier in Deutschland, wenn wir mit Mandanten sprechen, dann hören wir immer wieder, okay, ich finde das zwar alles teilweise lästig mit der Buchhaltung und Co., aber irgendwie meinem Steuerberater, dem vertraue ich. Und ich glaube, es gilt, diese Position umzusetzen oder umzuwandeln in etwas, was auch eben in fünf bis zehn Jahren noch funktioniert. Und das ist eben nicht 80 Prozent FIBU-Quote, sondern das ist für uns dann eher Ich habe ein Auge auf die FIBU, überwache, dass das gut läuft, setze meinen Stempel drunter, Quality Assurance wird ein Thema bleiben. Da wird aber Kostendruck draufkommen von externen Anbietern, die die Buchhaltung günstig machen. Ich glaube, irgendwann kommt da der Punkt, wo das auch ein bisschen rüber schwappt. Und dann sind wir eben genau an dem Punkt, wie kann ich meinen Mandanten Mehrwerte darüber hinaus bieten? Und genau da entwickeln wir auch weiter, indem wir einerseits den Kanzleien die Werkzeuge mitgeben wollen, diese deklaratorischen Themen schneller zu machen, Einsammeln von Informationen, alles was so zwischen den Parteien passiert im Endeffekt, das schneller zu machen, auch über den Collect-Agent. Und dann ist natürlich noch ein ganz tiefes Thema das Beratungsthema. Ich glaube, da wäre es vermessen zu sagen, ist man am Ende, indem man einen Agenten entwickelt hat, der bestimmte Beratungsanlässe erkennt und auch von der Kanzlei eigenen Input umsetzen kann. Also ich kann dem sagen, Hier check mal das und das jeden Monat, zum Beispiel eigenes Qualitätsmanagement. Aber ich glaube, da geht es ja noch viel weiter. Wie kann ich die KI befähigen, mehr vom Beratungskonzept selber zu machen? Wie kann ich noch verschiedenste Datenquellen anknüpfen, da noch viel tiefer gehen zu können? Also ich glaube, das ist noch lange nicht auserzählt. Und deswegen brauchen wir, glaube ich, gar nicht so viele neue Felder, sondern müssen vor allen Dingen die, in denen wir unterwegs sind noch deutlich tiefer machen, sodass wir in fünf Jahren dastehen und sagen, wow, damit kannst du sowohl super schnell deine deklaratorischen Themen abhaken, als auch, wir unterstützen dich eben in einem sehr großen Maße, dein Beratungskonzept und dein vielleicht dann CFO-Service-Konzept wirklich umsetzen zu können als Kanzlei.

00:24:17: Ja, ich teile das meiste davon. CFO-Service ist ja auch was, was einige schon machen, was hier gesprochen wird. Ich glaube, das ist ein bisschen komplexer, weil das auch einen Mindset-Shift bei den Steuerberatenden erfordert. Weil ich plötzlich Entscheidungen treffen muss und Risiken in Kauf nehmen muss als CFO, ich als Steuerberater erstmal grundsätzlich vermeiden will. Da auch außerhalb der KI noch ein bisschen, fließt noch ein bisschen Wasser die Elbe hinunter, wie man hier in Hamburg sagt, oder in Düsseldorf den Rhein, bis das soweit ist und das auch bei den Menschen in der Steuerberatung angekommen ist. Bei der Automatisierung bin ich dabei, vor allem bei kleineren Unternehmen, die sich standardisieren lassen, wenn Steuerberatungen in den Branchenfokus reingehen oder Ähnliches glaube ich, kann man sehr hohen Automatisierungsgrad erreichen. Ja, ist eine spannende Entwicklung und ich hatte letztens ein Gespräch oder eine Episode hier im Podcast, wir drüber gesprochen haben. Der Kampf KI gegen Steuerberater, der ja auch gerade durch die Presse getrieben wird oder getrieben worden ist. Da war die Frage, warum muss das immer gegeneinander sein nicht miteinander sein, weil beim Gegeneinander doch ein paar Fragen ungeklärt sind, in einem kooperativen Modell wie eurem ja nicht so gravierend sind, weil immer noch klar ist, dass der Steuerberater die Verantwortung hat oder die Steuerberaterin und die Verantwortung trägt sich nur von KI und neuen Technologien und Prozessoptimierung und Unterstützendes.

00:26:05: Ja, absolut. Also ich glaube, ohne einander wird es sowieso in Zukunft nicht mehr gehen. Da sind wir glaube ich schon zu tief drin, als dass man das noch stoppen könnte. Aber ich glaube, es gibt sicherlich die Angst, dass es mehr gegeneinander wird. Ich spreche aber auch mit vielen Leuten, die das durchaus auch positiv sehen und die Chancen sehen und auch vielleicht auch ein Stück weit Lust haben auf die Veränderung die da auf uns zukommt. Weil ich sage mal, es bietet ja nicht nur Risiken für die Kanzleien, sondern ich sehe da schon auch viele Chancen und Veränderungen. Tut immer erstmal ein bisschen weh oder ist gruselig, aber ich glaube, wer weiß, vielleicht wenn man dann mal zurück schaut. Ich glaube, die wenigsten Steuerberater haben jetzt wirklich Angst ihren Job. Ich glaube auch nicht, dass das realistisch ist, dass es euch, das mal sozusagen, nicht mehr braucht. Deswegen kann man da, glaube ich, relativ gelassen in der Hinsicht sein. Aber heißt natürlich nicht, dass man sich nicht mit dem Thema beschäftigen muss. Also du sprichst auch von dem Mindset Shift. Ich glaube, da kommen wir nicht umhin, dass das nicht passieren muss. Dass wir sowohl als Steuerberater, Kanzlei, Inhaber, Partner, was auch immer, als aber auch als Mitarbeiter einfach anders seine Rolle definiert in Zukunft. Und ich glaube, dass Viele Sachen sind unsicher, aber da bin ich mir relativ sicher, dass das so sein wird.

00:27:37: Die Herausforderung ist, dass man noch nicht weiß, wie sich die Rolle definiert. Das heißt, wir versuchen bei uns immer zu sagen, wir üben Veränderung. Und wenn wir dazu gekommen sind, dass Veränderung der Normalzustand ist, dann gibt es da auch eine Routine, weil man sich immer wieder hinterfragt und dann auch in unterschiedlichen Tempi und mit Pausen, wenn was gerade mal endlich funktioniert, dann kann ich es ja auch ein Momentchen liegen lassen und mich an das nächste wagen, aber die… 10 Jahre, wo sich nichts verändert, das wird es wohl nicht mehr geben, sondern wir müssen in Veränderungsmodus kommen. Und dann werden wir genauso, wenn wir die meisten anderen Branchen genug Tätigkeiten haben, sind halt bloß andere. Schwierig ist es bei den Menschen, jetzt 10, 20 Jahre einen sehr vergleichbaren Job gemacht haben, der in Teilen oder großen Teilen von KI übernommen werden kann sich schnell genug mit der Veränderung anzufreunden, die sie vor sich haben. Das glaube ich gesellschaftlich und in den Kanzleidiskursen.

00:28:45: Ja, das ist sicherlich ein Thema. Ich glaube, sich an Veränderungen gewöhnen, ist ganz wichtig, weil hast du schön ausgedrückt, wenn ich mich daran einmal gewöhnt habe, dann kriege ich die Veränderung, die immer wieder auf mich zukommt, auch besser gewuppt. Aber dass es Härtefälle gibt und Fälle, die man vielleicht nicht mitnehmen kann und die mit dieser Veränderung nicht klarkommen, das wird sicherlich so sein und ist sicherlich auch so.

00:29:16: bis zu deinem Leben. Hast du ein schönes Schlusswort? Ein Ausblick, eine Motivation für die Steuerberatungskanzlei, sich bei euch zu melden oder sich mit dem KI-Thema zu beschäftigen?

00:29:28: Ja, also ich muss sagen, in letzter Zeit wirklich eine sehr positive Stimmung wahrgenommen zu haben. Ich weiß nicht, ob ich dafür alle spreche, aber deswegen kann ich nur sagen, eigentlich weiter so. Finde das richtig, richtig cool, die Kultur gerade. Ich weiß nicht, ob das ein starker Bias ist, aber ich habe das Gefühl, viele haben Lust auf die Veränderung, gerade auch in der Branche. Und ja, möchte jeden dazu ermutigen, sich einfach selber seine Gedanken zu machen wie das eigene Geschäftsmodell in Zukunft aussehen kann. Wer da mal Lust hat auf ein Sparring oder einfach mal drüber zu quatschen, kann sich gern bei uns melden. Und natürlich, wer Interesse hat, sich mal die Produkte anzugucken sowieso. Ich bin aber auch immer offen einfach für einen Austausch, weil ich glaube, davon lebt das Ganze. Diskutieren, sich überlegen, wo könnte es hingehen und dann entstehen schon die richtigen Lösungen.

00:30:20: Wunderbar. Vielen Dank für das Schlusswort. Hat mir viel Spaß gemacht, Jakob. Auch länger dauert, als wir gedacht haben. Viel Erfolg und vielen Dank für deine Zeit.

00:30:30: Vielen Dank Ulrich

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