redenhilft #61: Der KI-Steuerberater

Shownotes

Der Anlass ist aktuell – aber nicht überraschend. Man streitet, ob die Branche die KI jetzt als Wettbewerb betrachten sollte oder nicht. Das Exempel statuiert die Steuerberaterkammer Berlin und das Unternehmen Accountable, die Kammer sieht ggf. einen möglichen Wettbewerbsverstoß bei der Verwendung des Begriffs „KI-Steuerberater“. Für Jens Henke, im Gespräch mit Uli Britting, fühlt sich das eher wie eine PR–Rauchbombe an, beide diskutieren aber ausgiebig über die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Steuerberatung. Beide sehen große, warnen aber vor den Risiken unkritischer Nutzung, denn bei Details und einer nachhaltigen Sachverhaltsaufnahme, lässt die KI ihres Erachtens noch deutlich Feinheiten vermissen. Auch sind u.a. Haftungsfragen vielfach noch ungeklärt und unterstreichen die Bedeutung menschlicher Kontrolle und des Vier-Augen-Prinzips. Ein spannender Blick in die Zukunft unserer Branche.

Gast Jens Henke https://www.linkedin.com/in/jens-henke-445bba154/

Host: Ulrich Britting LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/ulrichbritting ba tax gmbh LinkedIn: https://de.linkedin.com/company/bagroup5 Website: https://ba-tax.de/

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00:00:01: Herzlich willkommen zur neuen Episode des ba taxter. Ich bin Ulrich Britting und ich begrüße zum dritten Mal in kurzer Zeit Jens Henke. Herzlich willkommen, Jens.

00:00:11: Ja, hallo Uli, vielen Dank, dass ich so spontan eingeladen wurde.

00:00:16: Wir sitzen hier heute zusammen, um über den Rechtsstreit der Steuerberaterkammer mit Accountable zu sprechen und was das für die Branche bedeutet, und das zusammenzubringen mit dem Gesamtthema KI in der Steuerberatung. Ich freue mich sehr auf die Diskussion. Wir haben das gestern beschlossen, dass wir das kurzfristig machen. Nehmen heute auf. Jens, beschreib doch mal die Situation.

00:00:47: Ja, sehr gerne. Also, was haben wir? Wir haben wettbewerbsrechtliche Maßnahmen der Steuerberaterkammer Berlin gegen einen Anbieter von Buchhaltungsleistungen. Dessen Namen jetzt gerade schon benannt wurde. Das ist die Firma Accountable. Der Rechtsstreit ist jetzt in dieser Woche, wir reden jetzt über die erste Woche im Monat Mai 2026, an die Öffentlichkeit gebracht worden, mutmaßlich durch eine Pressemitteilung von Accountable.

00:01:28: Worum geht es bei diesem Rechtsstreit?

00:01:34: Das, was man den Medien entnehmen kann, ist, dass die Steuerberaterkammer Berlin im Rahmen ihrer Aufsicht Maßnahmen eingeleitet hat, weil Accountable den Begriff KI-Steuerberater aktiv im Wettbewerb verwendet. Jetzt muss man natürlich wissen: Steuerberater ist ein geschützter Berufsbegriff. Steuerberater darfst du dich nennen, wenn du diesen Titel verliehen bekommst durch die Bestellung. Und soweit ich das übersehe, ist die Firma Accountable weder eine Steuerberatungsgesellschaft noch eine sogenannte Berufsausübungsgesellschaft, sodass hier diese wettbewerbsrechtliche Maßnahme von der Steuerberaterkammer Berlin eingeleitet wurde. Und das ist jetzt noch nicht mal etwas Neues oder Ungewöhnliches, sondern diese wettbewerbsrechtlichen Maßnahmen von Steuerberaterkammern gibt es seit Jahrzehnten. Und das hast du halt immer wieder, wenn es zum Beispiel, keine Ahnung, so ein Bilanzbuchhalter ist, der Leistungen anbietet, die er eigentlich nach dem Steuerberatungsgesetz nicht anbieten darf, weil ihm die notwendigen Qualifikationen fehlen oder weil jemand im Verkehr Werbung macht, die eben auch gegen geltendes Recht verstößt. Und dann handelt die Steuerberaterkammer. Das ist jetzt eigentlich auch kein großes Ding. Es wird jetzt durch diese Pressemitteilung und die, ich formuliere es mal vorsichtig, diese Überhöhung des Themas natürlich sehr stark in die Öffentlichkeit gezogen. Und ja, es gab da die eine oder andere Überschrift auch bei seriösen Qualitätsmedien wie einer bekannten Tageszeitung in Berlin, wo man sich dann schon fragt, ob denn da durch den Journalisten spezifisch Recherche betrieben wurde oder ob der einfach nur eine Pressemitteilung einer PR-Agentur abgeschrieben hat, die möglicherweise für eine der Verfahrensbeteiligten tätig ist.

00:03:58: Also, wir haben ja gestern im Rahmen unseres regelmäßigen Austauschs kurzfristig beschlossen, darüber zu sprechen. Ich habe dann auch ein bisschen recherchiert, um mich vorzubereiten. Das ist ja schon in einer ganzen Menge relevanter Medien Thema gewesen in den letzten Tagen. Und ich stimme dir grundsätzlich zu. Eigentlich ist diese Diskussion, wenn ich jetzt von Bilanzbuchhaltern und Buchhaltungsbüros ausgehe, eigentlich eine tägliche Übung seit Jahrzehnten, wo es immer in dem Grenzbereich zur Steuerberatung solche Diskussionen gibt. Der Unterschied scheint jetzt zu sein, dass wir im Start-up-Bereich unterwegs sind, mit Private Equity und VC gefundet. Mehr Geld da ist und eine recht umfangreiche Kampagne letztes Jahr in Berlin zumindest gelaufen ist, mit Out-of-Home-Kampagne, Plakatwerbung, wo auf diese Dienstleistung hingewiesen wurde.

00:04:52: Genau, also die sind laut und die scheinen eben auch das Budget zu haben, da jetzt eine professionelle PR-Agentur loszujagen, die dann entsprechende Pressemitteilungen raushaut. Also wir hatten vor vier, fünf Wochen schon mal eine Presseanfrage dann auch als Verband bekommen. Da ging es um die Frage, finden die Leute wirklich keine Steuerberater? Das wurde damals in einer Presseaussendung dieser Agentur behauptet. Da haben wir natürlich auch nochmal informiert. Denn natürlich ist es für viele schwierig, Steuerberatung zu finden. Wir stellen aber immer wieder fest, dass es häufig ein Matching-Thema ist. Weil die Menschen denken, okay, ich gehe jetzt einfach zum nächsten Steuerberater und der wird schon alle meine Probleme lösen können. Und man übersieht dabei eben, dass Steuerberaterinnen und Steuerberater auch sehr spezialisiert sind. Und genauso wie du auch zu Fachärzten gehst, solltest du eben auch den fachlich passenden Steuerberater für dich finden. Und gerade dadurch, dass viele Steuerberaterinnen und Steuerberater in Deutschland digital extrem gut aufgestellt sind, kannst du ja auch bundesweit die passende Steuerberatung für dich finden, die du brauchst. Also deswegen sehen wir das Thema da auch nicht so dramatisch. Natürlich können wir auch dort die Sichtbarkeit von Steuerberaterinnen und Steuerberatern als Verbände noch weiter verbessern. Da arbeiten wir auch dran. Aber nichtsdestotrotz nehmen wir einfach wahr, dass da jemand gerade sehr, sehr gut unterwegs ist mit Eigen-PR und das muss man einfach mal so zur Kenntnis nehmen und damit können wir auch gut umgehen.

00:06:37: Ja, das ist ja auch bei vielen Tax-Tech-Tools erstmal nichts Neues. Und das mit den Steuerberatern kann ich nachvollziehen. Wir haben auch ein Erdgeschossbüro mit Erdgeschossempfang. Und hier laufen auch ein-, zweimal im Monat Menschen rein, die einen Steuerberater suchen, die aber gar nicht zu unserer Spezialisierung passen mit ihrem Fall. Und wenn ich das so sehe, gibt es, glaube ich, Herausforderungen im Matching auf persönlicher Art. Da hatten wir ja auch schon mal einen Podcast drüber. Oder ich kann mir das vorstellen, im Bereich Kleingewerbe mit übersichtlichen Umsätzen und übersichtlichen Margen, dass es da durchaus ein Kostenproblem geben kann. Das ist ja aber bei vielen anderen Sachen auch so, die man tun muss. Aber lass uns mal zu dem Thema KI in der Steuerberatung kommen. Wir begegnen ja vielen Start-ups, wir betreuen die ja auch, und wir selber sind ja Fans von innovativen Arbeitsweisen in der Steuerberatung. Das heißt, wir üben mit KI, wir üben mit Tax-Tech-Tools und sehen da eigentlich eine Riesenchance für die Branche. Grundsätzlich ist das bei so einer Software, wie sie Accountable anbietet, ja in erster Linie auch mal so.

00:08:06: Ja, so. Und wenn die einen KI-Agenten haben, mit dem du Steuerfragen diskutieren kannst, ist das jetzt erstmal per se nichts Schlechtes. Ich finde es gar nicht mal so unklug, so zu arbeiten. Die Frage ist halt: Wie gut ist die Qualität? Das heißt, wie gut ist das Modell trainiert, mit dem du dort arbeitest? Das ist das Erste. Zweitens: Welche Absicherungsmechanismen sind da drin, um die Wahrscheinlichkeit fehlerhafter Antworten möglichst stark zu minimieren? Und am Ende ist natürlich die Frage, wer nachher die Verantwortung übernimmt, wenn die Antwort fehlerhaft war, derjenige, der die Antwort bekommen hat, das aber gar nicht erkennen kann, weil er eben steuerlicher Laie ist, aber darauf basierend eine unternehmerische Entscheidung trifft oder eine private Entscheidung. Und dann entsteht möglicherweise ein finanzieller Schaden daraus. Und wer ersetzt diesen Schaden dann? Das ist ja die Frage, die du dir stellen musst. Wenn wir jetzt als Steuerberaterinnen oder Steuerberater oder du als Wirtschaftsprüfer einen Rat erteilst und dieser Rat ist fehlerhaft und daraus folgt ein Schaden, dann

00:09:11: Ja, das...

00:09:32: tritt der Mandant an uns heran. Wir haben eine Berufshaftpflichtversicherung, denn ohne Berufshaftpflicht dürfen wir unseren Beruf nicht ausüben. Und dann wird dieser Schaden reguliert. Im Nachgang prüft die Haftpflicht dann im Zweifel auch noch, ob da nicht eine Verantwortung der Beraterin oder des Beraters mit drinsteckt und holt sich das dann vom Berater oder von der Beraterin wieder. Aber das ist ja die entscheidende Kernfrage, die wir haben: Wer haftet für Schäden? Wenn man dann hört, dass es Tax-Techs gibt, ich spreche jetzt bewusst allgemein, ich meine jetzt kein konkretes, die dann sagen: Hey, wir stellen dir hier was hin und mit dieser Lösung brauchst du keinen Steuerberater. Und dann steht irgendwo im Kleingedruckten: Aber wir übernehmen für nichts Verantwortung, weil du selber verantwortlich bist, das zu überprüfen, was wir dir als Ergebnis liefern. Und wenn du das nicht selber kannst, musst du dir einen Experten holen. Dann ist das natürlich schon ein bisschen kritisch zu sehen.

00:10:32: Ja, also das... Ich glaube, das Haftungs- und Verantwortungsthema ist das Entscheidende bei dieser Frage. Wir benutzen ja auch KI und Tools der unterschiedlichen Verlage und da kommen tolle Antworten raus. Aber manchmal halt auch welche, die zu dem Sachverhalt nicht passen, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen sind und als erste Fundstelle in der KI so präsentiert werden. Und wenn ich das als unreflektierter, steuerlich nicht gebildeter Empfänger lese, treffe ich falsche Entscheidungen und da kann dann Schaden entstehen. Und das ist, wie du das gerade vorher beschrieben hast, die entscheidende Frage allgemein bei der KI, ja auch außerhalb der Steuerberatung: Wenn ich mich darauf verlasse, wer übernimmt die Fehlerbereinigung, die ja durchaus bei Betriebsprüfungen oder im schlimmsten Fall Steuerstrafverfahren auch passieren kann? Und wer haftet für Schäden? Also bei uns ist es momentan noch so: Wenn Mandanten ankommen mit „Ich habe was in der KI zu meinem Fall gefragt, kannst du das mal kurz überprüfen?“, macht das zumeist mehr Arbeit, als wenn er die Frage direkt an uns gestellt hätte. Weil wir erstmal auf Fehlerursachenforschung gehen müssen, um zu gucken: Wie kommt die KI eigentlich zu der Antwort? Wie ist der Sachverhalt? Und so weiter und so fort.

00:12:02: Ganz genau. Die Entscheidung, wie du einen Fall beurteilst, liegt ja eigentlich immer in der richtigen Sachverhaltsermittlung. Und deswegen machen wir es zum Beispiel auch, wenn wir Beratungsfälle bearbeiten. Das Erste, was wir wiedergeben, ist der Sachverhalt. Und den lassen wir uns dann immer noch mal bestätigen, dass das auch wirklich der vollständige Sachverhalt ist. Denn wie wir beide wissen, gibt es dann ja manchmal sehr, sehr feine Unterschiede, die zu unterschiedlichen Rechtsfolgen führen können. Deswegen: Sachverhaltsermittlung ist wichtig. Und wenn du jetzt da den Prompt nicht sauber formulierst oder den Sachverhalt unverständlich dort reinschreibst, ja gut, dann kommt da irgendeine Antwort bei raus. Dann musst du dir auch noch anschauen, wie stark jetzt dieses Sprachmodell auf Steuerrecht trainiert ist. Ich merke zum Beispiel auch, bin da auch gerade an einer Entwicklung mit beteiligt: Je dichter wir am Gesetz arbeiten und je besser das Modell auf das Gesetz trainiert ist, desto besser kriegst du auch Antworten raus, weil du ja bei Verlagsinhalten immer wieder diese Prüfung machen musst, auf welchem Rechtsstand basiert der Aufsatz und so weiter. Das macht die Sache unnötig komplex. Dann hast du ja bei uns zumindest in der Arbeit: Wir nutzen natürlich generative KI für Recherchen. Auch zur Optimierung von Schriftsätzen nutzen wir das, das ist ohne Frage so. Aber jedes Arbeitsergebnis unterliegt dem Vier-Augen-Prinzip. Das bedeutet, es muss durch einen Menschen geprüft werden, dass das, was da als Arbeitsergebnis vorgeschlagen wird, auch zutreffend ist. Also so, wie du das Vier-Augen-Prinzip ja auch anwendest, wenn du ohne KI arbeitest, genauso musst du es natürlich auch bei der Arbeit mit KI nutzen. Idealerweise hast du dann sogar ein Sechs-Augen-Prinzip, dass zwei Menschen drüber gucken. Gerade bei sehr haftungsrelevanten Fragestellungen würde ich das immer noch empfehlen, weil derjenige als Mensch, der die KI prüft, im Zweifel irgendwann auch so ein Stück weit KI-vertrauensselig und blind wird und anfängt, einfach alles zu glauben, weil du so ein Vertrauensverhältnis zu dieser Maschine ein Stück weit aufbaust. Das ist riskant. Deswegen ist es natürlich umso riskanter, wenn du sagst: Ich bringe jetzt Lösungen auf den Markt, die komplett suggerieren, da brauchst du keinen Steuerberater mehr. Und da würde ich mir einfach wünschen, dass man da etwas achtsamer mit umgeht, weil diese Systeme einfach noch nicht so weit sind, dass sie gänzlich ohne Menschen auskommen.

00:15:02: Ich würde gerne noch mal einsteigen da, wo du gesagt hast mit der Sachverhaltsaufnahme und der Bestätigung. Was ja in der Beratung auch noch mal passiert, ist, dass auf Basis der Erfahrung, die man während der Zeit sammelt als Organisation oder Mensch, bei bestimmten Sachverhalten Folgefragen rauskommen. Ich habe den Sachverhalt richtig aufgenommen. Dann gibt es aber drei, vier Möglichkeiten, wie man damit in der Zukunft umgeht. Oder Herausforderungen, die in der Zukunft kommen, die zu einer richtigen Beratung dazugehören. Und da habe ich Stand heute große Zweifel, dass der nicht steuerlich gebildete Unternehmer, der promptet, diese Folgefragen ebenfalls in seiner Frage einbetten kann, damit die KI überhaupt in der Lage ist, eine vernünftige Antwort zu geben.

00:15:54: Ja, natürlich, weil du im Zweifel ja gar nicht weißt, wonach du fragen musst. Und das ist ja auch so ein Thema. Du erinnerst dich vielleicht, ich habe im letzten Jahr mit Christian Reckzell zusammen einen Aufsatz geschrieben zum Thema Rechtssystematik und Rechtsmethodik im Steuerrecht, wie wichtig das Thema ist. Dabei haben wir ja auch herausgearbeitet, dass auch für viele fachliche Mitarbeiter genau diese Thematik schon jetzt eine Herausforderung ist. Und jetzt überlegst du: Du hast einen Nichtfachlichen, der das für sich herausarbeiten soll. Wie soll der das können? Der kennt ja gar nicht den Aufbau des Gesetzes. Der kennt die Methodik nicht, die Systematik nicht. Der hat es dann dementsprechend schwer. Auf der anderen Seite, lass uns das nochmal von der anderen Seite beleuchten: Auf der anderen Seite hast du ja Unternehmer. Und der Unternehmer trifft jeden Tag unternehmerische Entscheidungen. Und wenn er jetzt sagt: Ich verlasse mich darauf, was diese KI macht, dann ist das erstmal ja seine unternehmerische Entscheidung und er muss mit dieser Folge leben. Bei Steuerthemen kann diese Folge aber eben sein: eine hohe Steuernachzahlung infolge einer Betriebsprüfung. Da ist die Steuer ja an sich gar nicht der Schaden, aber die Zinsen sind dann im Zweifel der Schaden für ihn. Und das andere Thema ist das Steuerstrafverfahren. Und Steuerstrafverfahren sind nicht lustig. Ich bin zertifizierter Berater für Steuerstrafrecht. Aber bei den Fällen, die man dann da sieht und begleitet, stellt sich dann häufig im Nachgang raus, dass die Leute sagen: Na ja, wenn ich das damals mal etwas anders bewertet hätte, dann wäre es gar nicht so weit gekommen. Und Steuerstrafrecht kostet viel Geld. Das darf man nicht vergessen. Und zwar nicht nur, weil du Steuern nachzahlen darfst, weil du Zinsen nachzahlen darfst, weil du vielleicht noch irgendwelche Auflagen zu erfüllen hast. Sondern weil auch die Beratung sehr teuer ist. Das ist ja Aufräumen. Aufräumen kostet immer mehr Geld, als wenn man es gleich richtig macht. Also das, was du ja auch gesagt hast: „Kannst du mal eben schnell überprüfen, was ich hier mit Claude gemacht habe?“ Da musst du erst mal überprüfen: Was wurde da gepromptet? Was waren die ganzen Zwischenfragen, die da bearbeitet wurden? Dann das Ergebnis zu klären. Und... Da vertrete ich tatsächlich zurzeit den Standpunkt, dass ich sage: Nee, du gib mir noch mal die Ausgangsfrage und ich gebe dir die Antwort. Das wird für dich preiswerter sein, als wenn ich mir jetzt diesen gesamten Chatverlauf noch mal anschaue.

00:18:34: Genau, so sehen wir das auch. Gib mir die Ausgangsfrage, ich stelle dir noch vier Gegenfragen. Wenn du mir die beantwortet hast, dann gehe ich in die Sachverhaltsprüfung und kann dir auch mit KI-Unterstützung eine Beratungsempfehlung geben, wie man mit dem Sachverhalt umgeht und vielleicht auch eine Risikoeinschätzung, wenn man unterschiedliche Optionen hat.

00:18:58: Aber Uli, weißt du, was mich einfach immer wieder umtreibt und auch bei diesem Thema sehr stark bewegt? Warum werden diese Gegensätze aufgebaut? Also warum kommt jemand in den Markt relativ breitbeinig: „Hallo, hier bin ich und ihr müsst jetzt alle weg, weil ich bin jetzt da und ich ersetze euch alle.“ Warum geht man nicht den Weg zu sagen: Mensch, ja, ich hab hier einen richtig genialen Ansatz. Der könnte auch eure Arbeitsweisen, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Steuerberatung, revolutionieren. Ihr könntet euch durch meinen Ansatz auf ganz andere Dinge konzentrieren, für die ihr auch ausgebildet seid. Gestaltungsberatung, Präventionsberatung, Strafrecht, Finanzgerichtsverfahren, Rechtsbehelfsverfahren bleiben ja da, die fallen ja nicht weg. Und dann macht man diese Dinge gemeinsam. Man teilt sich die Arbeit auf, man ergänzt sich, man arbeitet vielleicht auch in gemeinsamen Systemen und auch, jetzt kommt wieder das Berufsrecht, soweit das Berufsrecht zulässig ist, auch in gemeinsamen Strukturen. Warum denn nicht?

00:20:14: Das ist fast wieder der Ausgangspunkt der Frage: Warum nenne ich das Ganze Steuerberater, wo ich eigentlich direkt in einen Konflikt reinlaufe? Und warum gehe ich nicht einen anderen Weg? Andere innovative Tools in der Steuerbranche, die auch mit Accounting zu tun haben, setzen sehr auf Kooperation, Unterstützung und Zusammenarbeit zwischen Mandant und Steuerberater, wo es in der aktuellen Welt aufgrund der Struktur der vorhandenen Softwarelösungen durchaus ein paar Probleme gibt. Mit einer Zeitverzögerung, in einer Echtzeitdatenbereitstellung etc. Und da ist ja zum Beispiel, also das ist ja auch eine Riesenveränderung und durchaus viel Geld dahinter. Aber mit einem ganz anderen, nämlich kooperativen Ansatz an Problemen orientiert, die zu lösen es in der aktuellen Welt der Steuerberatung und naheliegender Dienstleistungen gibt.

00:20:51: Du meinst da so ein Buchhaltungstool aus Frankreich?

00:21:08: orientiert, die zu lösen, die es in der aktuellen Welt der Steuerberatung und naheliegender Dienstleistungen gibt.

00:21:17: Und genau das ist ja der Punkt, Uli. Es geht doch gar nicht darum zu sagen, wer ist jetzt hier der Platzhirsch, sondern wir alle, die in der Steuerbranche tätig sind, ob das jetzt Steuerberaterinnen und Steuerberater sind, Wirtschaftsprüferinnen, Wirtschaftsprüfer oder ob das Tax-Techs sind: Unsere Mission ist ja jeweils, für unseren Mandanten respektive Kunden eine bestmögliche Lösung zu schaffen, damit er entweder seine steuerlichen Compliance-Pflichten erfüllt oder dass er sich betriebswirtschaftlich besser aufstellen kann oder bessere Informationen bekommt oder dass er eben gegenüber den Finanzbehörden ordnungsgemäß vertreten wird und sein Recht bekommt. Und deswegen fände ich es echt schade, wenn immer mehr Ressourcen, gerade von den Tax-Techs – und deren Ressourcen sind ja begrenzt durch die Investmentrunden –, wenn dieses Geld dann fließt in irgendwelche Rechtsstreitigkeiten und Litigation-PR und was nicht alles. Das Geld könnte man sinnvoller ausgeben für noch mehr Produktentwicklung und auch für einen deutlich kooperativeren Ansatz mit allen anderen Playern im Markt. Und ich glaube, dann wären wir gemeinsam deutlich innovativer, deutlich besser und könnten viel besser unsere Mission erfüllen, die nämlich ist, die bestmöglichen Lösungen für unsere Mandanten zu schaffen.

00:22:54: für die Unternehmerinnen und Unternehmer und Menschen in diesem Land, die mit Steuern zu tun haben oder sich damit auseinandersetzen müssen. Da sind wir dann wieder Richtung Ende unserer Unterhaltung auf einem Nenner. Vor allem, wenn ich mir die Branche angucke, wo viele Menschen in den Ruhestand gehen in den nächsten Jahren, mehr Menschen als dazukommen. Und ein Teil der Branche in der Innovationsfreudigkeit noch ein bisschen hinterherhängt und durchaus mehr tun könnte, sich mit KI und Digitalisierung und Automatisierung auseinanderzusetzen. In dieser kommenden Welt gibt es so viel Arbeit und so viel Automatisierungsbedarf und Bedarf am Einsatz von KI, damit wir gemeinsam dieses Thema einer vernünftigen Bearbeitung und Vertretung hinkriegen, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, sich gegenseitig zu bekämpfen.

00:23:58: Völlig richtig. Und weil wir auch als Steuerberaterverband Berlin Brandenburg diese Meinung haben, haben wir im letzten Jahr unsere Satzung geändert. Und zwar dahingehend, dass du auch als Tech-Stack-Mitglied unseres Verbandes werden kannst. Weil wir eben diesen engen Austausch und diese enge Zusammenarbeit auch möglichst gut fördern wollen, haben wir diese Reform bei uns gemacht. Und wir freuen uns auch schon, einige Mitglieder aufgenommen zu haben und wir hoffen natürlich, dass das auch noch ein paar mehr werden.

00:24:33: Ich habe das letztens in einer Straßenverkehrssituation erlebt, wo es einen Konflikt gab und die Quintessenz daraus war: Es geht doch um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander. Wir brauchen doch alle unseren Platz, egal ob Autos, Fahrradfahrer oder Fußgänger. Und genauso ist es in der Steuerberatung. Steuerberater, KI und Accounting-Tools, Automatisierung – das braucht alles seinen Platz. Es ist alles komplett richtig, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Vielen Dank, Jens, für diese kurzweilige, aufklärende Diskussion zu einem sehr aktuellen Thema.

00:25:13: Ja Uli, vielen Dank, dass ich dabei sein konnte und dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag und den Hörern natürlich auch.

00:25:22: Danke dir auch. Bis dann.

00:25:24: Tschüss!

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